Pro: Artensterben

Kann man überhaupt für die Ausrottung von Arten sein? Ist das nicht genauso absurd, ja regelrecht zynisch, wie die atomare Verstrahlung von Japan herbei zu sehnen? Vermutlich.

Das Sterben von Arten geht immer mit der Gefahr einher, ein Ökosystem zu zerstören, der Natur unvergleichliche Schäden zuzufügen und letztlich auch die menschliche Umgebung zu vernichten.

Wozu Artenschutz?
Wobei das eher in ein Märchenbuch passt, faktisch werden die Arten geschützt, um sie zu erhalten. Kein tieferer Selbstzweck, die Erhaltung des Tigers für nachfolgende Generationen ist reichlich unlogisch, wird doch kein Mensch bei klarem Verstand mal eben durch den Wald spazieren, um sich den Tiger an zu schauen.

Und selbst wenn, ist der Nutzen einer solchen Aktion auch ohne Todesfolge, eigentlich nicht vorhanden. Genauso wie Kunst oder Mode, ist auch die Natur etwas, das eigentlich nur deswegen interessant wird, weil jemand sagt, das sei interessant. Niemand schaut sich Tiger außerhalb vom Zoo oder Zirkus an und sie sich darin anschauen ist ebenfalls Tabu, wegen Quälerei und anderen Missetaten. Das heißt, der Schutz ist vollkommen uneigennützig, sowohl für die Helfer, als auch die Menschheit selbst, man hat bestenfalls ein gutes Gewissen.

Ein Sprung hin(weg) zur Atomkraft
Nachdem Japan ein Pilotprojekt im Bau von AKW gestartet hat, welches wir mangels Kreativität einfach mal „bauen wir ein hochgefährliches Kraftwerk, das nicht für die zu erwartenden Umwelteinflüsse konstruiert wurde“ nennen und damit unerwarteter Weise gescheitert ist, steht natürlich wieder der Ausstieg im Vordergrund. Zu mindestens bei uns. Wir ignorieren mal kurz andere Nationen, oder warum ausgerechnet wird jetzt plötzlich so voran springen und wie lange sich das halten wird.

Ganz gleich ob man sich der Gefahren der Kraftwerke, der Lagerung oder weiterer Pilotprojekte bedient, die weltweiten Uranvorkommen sind stark begrenzt. Also ist der Ausstieg unumgänglich, denn Nachwachsen tut spaltbares Material leider nicht oder zu mindestens nicht auf einem Weg, welcher am Ende mehr Energie ausspuckt, als man reingesteckt hat. Und weil Wiederaufbereitung letzten Endes noch viel mehr Atommüll produziert, als wir sowieso schon nicht lagern können, streichen wir auch ganz schnell mal diese Alternative.

Das Atom muss also weg. Die einen fordern das seit langer Zeit, die anderen spontan angeheizt (Wortwitz, ha), aber allen ist eines gemeinsam: Wir wollen sichere Energie. Eine gute und tragbare Forderung, eine regenerative Energiepolitik ist schließlich auf lange Sicht unumgänglich, denn alle anderen Rohstoffe sind nicht erneuerbar und somit begrenzt. Mit Ausnahme der Sonne, welche zweifellos länger den Himmel erhellt, als Menschen unter ihm leben.

Neue Energie
Regenerative Energien sind toll, hätten wir das. Und welche haben wir? Windkraftwerke, Offshore Anlagen, Solaranlagen, diverse Verbrennungen von biologisch erzeugtem Gas und was es nicht alles gibt. Ist doch simpel: alte schmutzige Kraftwerke weg und fix ein paar neue hingesetzt. Dazu ein paar hochmoderne Energiespeicher, weil man ja auch dann Strom braucht, wenn gerade keine Sonne scheint und der Wind auf der faulen Haut liegt. Die Welt muss also ein klein wenig umgekrempelt werden. Und das ist alles so einfach, dass man natürlich auch kein Problem mit der kleinen Zusatzforderung hat, bei dieser Umgestaltung nach Möglichkeit keinen einzigen Grashalm zu bewegen…

Naturschutz gegen Naturschutz
Klingt komisch? Ist es auch. Fakt ist, öffnet man kurz die Augen, entdeckt man schnell die Leute, die sofort groß rummeckern, wenn etwas geändert werden soll. Momentan sollen die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Und wodurch ersetzen? Nun Solarkraft und Windkrafträder brauchen natürlich Platz, der aber die schöne landschaftliche Idylle zerstört. Pumpspeicherwerke und Stauseen zerstören wichtige Lebensräume. Offshore Anlagen sind teuer und nur schwer zu errichten, allem voran weil man erstmal eine passende Stromleitung benötigt, denn auch die Anlagen sollen natürlich nicht gesehen werden.

Und dabei ignorieren wir schon die fürchterlich armen Menschen, die wegen schließender AKW ihren Arbeitsplatz verlieren. Ist ja wichtiger, dass die ihren Arbeitsplatz haben, als dass die Umgebung für die nächsten Jahrzehnte bewohnbar bleibt und die nächsten Generationen noch für die Lagerung von dem Abfall aufkommen müssen… Menschen sind eben kurzsichtig, außer es geht um Windkraftwerke, dann ist der eigene Horizont plötzlich wieder ganz weit.

Entgegen der allgemeinen Erwartung kann man leider nicht gleichzeitig die Welt umkrempeln und dabei absolut nichts verändern. Wir können nicht gleichzeitig den Ausstoß von Treibhausgasen und Atommüll vermindern, ohne dabei einen Teil unseres Lebensstandards zu verlieren, ohne dabei eine Veränderung in Kauf zu nehmen.

Und gerade für umweltabhängige Energien, wie Wind und Solarkraft, ist eine Speicherung unumgänglich. Die effektivste Speicherung indes verläuft über Pumpspeicherwerke. Dabei wird überschüssige Energie genutzt, um Wasser in einen Stausee zu pumpen. Dieses nun kann bei Bedarf wie in einem gewöhnlichen Wasserkraftwerk Energie erzeugen. Problem? Der Stausee muss erst angelegt werden und wird also bis dahin nicht geflutete Flächen unter Wasser setzen. Dabei werden Lebensräume zerstört, ja vielleicht werden sogar manche Arten in Mitleidenschaft gezogen, die sich noch mit Windkrafträdern und Solaranlagen hätten arrangieren können. Aber weil der Klimawandel auch noch viele andere Arten bedroht, muss man ja auch etwas tun.

Eine Zwickmühle, man muss neue Kraftwerke bauen, die keiner sieht, dabei ein Speichersystem entwickeln, das keinen Platz einnimmt und das ganze schnell genug, damit das pöse CO2 nicht den ganzen Planeten hops gehen lässt. Man tut also am besten Dinge, die grundsätzlich unmöglich sind und alle sind zu frieden. Für den unwahrscheinlichen Fall aber, dass wir auf einem realen Planeten leben, auf dem unmögliche Dinge wegen gemeiner Götter und fürchterlicher Politiker und Lobbyisten unmöglich sind, benötigt man eine andere Herangehensweise…

Das unmögliche tun!
Die Platzierung der Kraftwerke ist das geringste Übel, faktisch haben Politiker jeher gezeigt, dass sie kein Problem damit haben, sich über den gemeinen Bürger hinweg zu setzen. Da bisher „Ausblick“ nicht geschützt oder gar mittels Grundgesetz als unantastbar deklariert wurde, kann man zu mindestens dieses Problem bei entsprechend progressiver Regierung übergehen.

Bleiben die Energiespeicher, allem voran die angemerkten Pumpspeicherwerke. Artenschutz hat im Gegensatz zur Landbevölkerung eine eigene Lobby, deren Arbeit man natürlich auch nicht kleinreden darf. Artenschutz ist aus moralischen Gründen bereits zu befürworten, aber nachdem der Weltuntergang jeden Tag um ein paar Tonnen CO2 näher zu rücken scheint, muss man wohl so oder so mit Verlusten rechnen. Sollte man da als zukunftsorientierter Bürger nicht einfach mal Fünfe gerade sein lassen und die Arten selbstständig niedermähen?

Dann stirbt die buntgefiederte Graubachstelze in Hintertupfingen eben aus. Das geht mir ehrlich gesagt am verlängerten Rücken vorbei, auch wenn sie ein schöner und total einzigartiger Vogel ist. Denn wenn dereinst meine Kinder und Enkel auf diesem Planeten spazieren, dann ist es mir lieber, sie kennen das Vögelchen aus einem Buch und können dafür im Winter die Heizung anmachen. Die Alternative, dass das Vögelchen wegen globaler Erwärmung ausstirbt und meine Nachfahren im Winter bei Windstille erfrieren reizt mich ebenso wenig, wie die Vorstellung, sie erfrieren, können aber dem Vogel beim Flug gen Süden nachschauen.

Es muss Veränderungen geben und es wird sich immer jemand finden, dem diese auf die Füße fallen. Man kann es nicht allen recht machen, so sieht das Leid der Welt nun einmal aus. Aber wir haben keine andere Wahl, entweder wir gehen erhobenen Hauptes in eine Zukunft, die wir mitgestalten oder aber wir verstecken uns in der Ecke und warten, bis alles den Bach runter geht, weil niemand aufgestanden ist, um erhobenen Hauptes die Zukunft zu gestalten. Die Frage des Naturschutzes ist „Was können wir schützen?“, was leider rückwärtsgewandt ist. Für die Zukunft sollten wir uns nicht fragen, was wir schützen können, sondern, was wir behalten können. Alles retten können wir nicht und entweder wir opfern jetzt etwas, um anderes zu retten oder aber sehen zu, was alles stirbt, weil wir nicht bereit waren, Opfer zu bringen.

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