Ein Opfer für den Naturschutz

Es ist klar, dass man Umweltschutz nicht alleine aus gutem Willen heraus betreiben kann. Der Umgang mit endlichen Ressourcen zwingt Menschen aus ganz eigennützlichem Interesse heraus bereits, die Umwelt zu schützen. Es geht um saubere Luft, gesichertes Klima und natürlich die Vermeidung von Plagen aller Art.
Doch wie betreibt man richtigen Umweltschutz und was müssen wir notfalls opfern? Jüngste Ereignisse zeigen uns: wir müssen auch bereit sein für Umweltschutz das größte denkbare Opfer überhaut zu bringen: nämlich die Umwelt. Klingt paradox? Absurd? Total bescheuert? Tja, das kommt natürlich ganz auf den Blickwinkel an. Umweltschutz ist natürlich zu jedem Zeitpunkt etwas nationales, jedes Land ist angehalten von sich aus die Umwelt zu schützen. Wenn das bedeutet, in anderen Ländern Wälder ab zu holzen, Naturzerstörung voran zu treiben, die Vertreibung von Menschen aus Profitgier zu unterstützen, während diese zudem auch gleich noch an Hunger leiden dürfen, weil wir ihr Essen gerne im Auto verfeuern, dann ist dies natürlich das Problem eines anderen Landes.
Und ehe jemand glaubt darin bloße Satire zu erkennen, dem sei gesagt: das ist politischer Alltag. Beispiel: Unser toller Treibstoff, der in den Zapfsäulen verrottet, weil ihn keiner haben will. Gut, das trifft momentan auf zwei Kraftstoffe zu, aber ich meine natürlich nicht das Super-Benzin, das neuerdings so viel wie Super-Plus kostet, um das Angebot um den billigen Treibstoff zu verringern. Auch das ist Preispolitik von der übelsten Sorte, aber hat wohl eher weniger mit Umweltschutz zu tun, als mit Korruption…
Nein, es geht natürlich um E10, oder wie er richtigerweise heißen müsste: „E5,1 bis E10“ denn von höchster Stelle festgelegt beginnt E10 bereits bei einem Bioethanolanteil von unglaublichen 5,1%. Ist ja auch logisch, warum sollte man schließlich festlegen, dass der Name des Kraftstoffes eine möglichst zutreffende Beschreibung des Inhaltes ausmacht? Kürzlich sah ich dann auch gleich im Fernsehen den verzweifelten Versuch, die Auswirkungen eines Kanisters E10 auf einen Motor auszutesten. Der scheiterte daran, dass man doch bestenfalls bis E8,3 kam. Aber auch schlaue Listen, welche einem erzählen sollen, inwiefern ein Motor doch den neuen Biosprit verträgt, sind reichlich überflüssig. Sofern sie einem nicht gerade nahe legen, das Zeug zu meiden, ist ihre Auskunft bestenfalls auf fabrikneue Wagen an zu wenden, denn jegliche Veränderungen am gesamten Antriebssystem, wohl einschließlich Reparaturen, genügen um sich als Hersteller von der Aussage zu distanzieren, der Motor könne dies ab.
Aber es geht ja um die Umwelt und da soll der deutsche Bürger eben etwas für tun, wie gesagt, auf Deutschland bezogen, nicht global. Denn global ist der neue Sprit weniger als eine Luftbuchung. Die Vernichtung von Regenwald für Anbauflächen und ebenso die Herstellung des benötigten Düngers sorgen effektiv dafür, dass E10 (oder was auch immer genau da rauskommt) eine wesentlich schlechtere CO2 Bilanz hat, als herkömmlicher Treibstoff. Um darauf zu reagieren, spricht man dann davon, eine Unabhängigkeit vom Öl zu schaffen, eben weil Erdöl ja nur begrenzt vorhanden ist. Ein beinahe nobles Ziel… beinahe… nobel… Ziel? Das ist ein vollkommen abwegiger Euphemismus. Unabhängig wird man nicht vom Erdöl, indem man den sowieso schon kargen Regenwäldern einen weiteren Grund zur Abholzung liefert. Unabhängigkeit vom Erdöl kann man nicht einfach so aus dem Hut zaubern und mit solchen miesen Tricks schon gar nicht mit einer verbesserten Ökobilanz verbinden. Die Unabhängigkeit würde ja bedeuten, alleine für Duetschland bereits die 10fache Menge an Biokraftstoff auf zu treiben. Dann kommen natürlich noch die anderen Automobilmärkte hinzu, welche ebenfalls ihren bedarfauf lange Sicht mit Bioethanol decken müssten. Auch Elektroautos helfen da nicht so viel, wie man immer glaubt, denn auch der Strom muss irgendwo herkommen und der Ausbau der regenerativen Energien ist bisher nicht annähernd stark genug voran getrieben worden, um einen solchen Mehrbedarf für einige millionen Autos alleien in Deutschland zu decken.
Aber bleiben wir beim E10: E10 schadet der Umwelt, keine Frage. Und das ohne effektiven Nutzen, weil kaum ein Autofahrer bereit ist auf eigenes Risiko aus zu probieren, welche Folgen das staatlich verordnete Motorgebräu auf jene empfindliche Maschinchen hat. Der Ottonormalverbraucher ist schließlich kein Autohändler – die reiben sich die Hände, wenn der Sprit Leitungen schädigt oder andere Teile angreift und neue Wagen auf den Markt müssen. Was auch immer der Sprit genau tut, weiß ja keiner, hat ja niemand ausführlich getestet. Aber spielt ja auch keine Rolle, denn Umweltschutz erfordert nun mal gewisse Opfer. Wenn diese Opfer daraus bestehen, dass Autos neu produziert werden müssen (was Energie und Ressourcen frisst), Regenwälder abgeholzt werden und Dünger produziert werden muss (was beides Ressourcen kostet) und nebenbei ein paar Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden und zusehen müssen, wie ihr potentielles Essen für unsere Umwelt exportiert wird, dann kann man das alles verkraften, weil man damit ja etwas schützt. Hat bei der Laufzeitverlängerung auch funktioniert, dass andernorts Menschen wegen uns sterben, spielt keine Rolle, denn „andernorts“ wird in Statistiken nicht erwähnt.
Was ist aber nun dieses „etwas“ das man schützt? Die Umwelt nicht, die Menschheit nicht, (weder im Anbaugebiet noch im Verbrauchergebiet) und Deutschland? Ja, wenigstens profitiert Deutschland, denn Deutschland hat danach schöne Zahlen vorzulegen. Man war ganz toll freundlich zur Umwelt und hat innerhalb der eigenen Grenzen viel weniger CO2 verbraucht. Zum Vergleich: Das wäre so, als würde man den Strom aus der Steckdose als vollkommen sauber bezeichnen, weil er ohne Treibhausgase heraus kommt. Dass er vielleicht aus einem Kohlekraftwerk IN die Steckdose hinein gekommen ist, wird zugunsten der Ökobilanz ignoriert. Was für den unbetuchten Verbraucher also wie eine vollkommen abstruse und hinverbrannte Überlegung anmutet, ist politisch gesehen Alltag – Wahrheit ist, was man draus macht.

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