Zukunft auf Chinesisch?

Zweifeln tun die Ökonomen nicht, China wird in naher Zukunft die weltweit größte Wirtschaftsmacht. Deswegen wird auch Chinesisch als Sprache in der Wirtschaft immer bedeutsamer und dem folgen natürlich auch schon manche Schule und bieten es als Fremdsprache im Unterricht ist.
Wundertolles China
Eine wunderbare Entwicklung, endlich lösen wir uns von der aufkolonialisierten Weltsprache und richten uns nach der tatsächlichen Wirtschaftsmacht. Aber natürlich ist China nicht einfach nur Wirtschaftskraft, China ist Partner, Kollege, quasi der coolste Kumpel in der Clique.

Ohne Chinesisch kommt man heutzutage in der Wirtschaft nicht mehr aus, denn China ist der Inbegriff der Wirtschaft: was hierzulande „Ausbeutung“ geschimpft wird, ist dort ganz normale Arbeit. Was hier als „giftig“ tituliert wird, ist dort immanenter Bestandteil der Produktion. Während wir dank ein paar vollkommen überschuldeter Länder die Währung niedrig halten, um weiterhin gut exportieren zu können, bewerten die Chinesen ihr Geld einfach selbst viel zu niedrig und scheren sich nicht darum, was andere davon halten. Während hierzulande die nicht-steinalt Generation aufschreit, wie Filme, Spiele und Serien um jeglichen Aspekt der Brutalität beraubt werden, weil die Ursprungsländer ja so übermäßig brutal sind (oder sind die immun dagegen?), kann man in China auch mal die interessante Innenausstattung von Gefängnissen begutachten, sollte man auf die Idee einer eigenen Meinung kommen. Wir würden das die Beschneidung der Meinungsfreiheit nennen, was dort der einfachen Gesetzgebung entspricht.

Macht und Verantwortung!
Das nenne ich mal eine echte Wirtschaftsmacht, ohne dieses ganze lästige Drumherum. Da entscheidet noch das Geld, was aus dem Land wird und nicht etwa irgendwelche Regierungskritiker, die ihre höchsteigene Meinung mal gefälligst für sich behalten sollen. Konsens? Abwägen? Überdenken? Wozu? China ist schließlich nicht nur der Favorit, wenn es um die wirtschaftliche Zukunft geht, China hat darüber hinaus auch einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der vereinten Nationen. Damit verbunden auch ein Vetorecht für alle Entscheidungen, welche dieser Rat fällt. Das heißt es kann ganz alleine jede Entscheidung kippen und tat dies in der Vergangenheit bereits öfters, um eigene Interessen durch zu setzen.

Ja, wenn man den Schülern schon die chinesische Sprache beibringt, dann sollte man neben der Sprache auch etwas über den chinesischen Alltag erzählen.
Die Ironie ist doch, wir kriechen China in den Hintern, was ihnen eine solche wirtschaftliche Macht gibt. Und warum tun wir das? Wegen ihrer Wirtschaftsmacht. Also wegen genau dem, was sie erst dadurch erlangen, dass wir uns ihnen zuwenden. Und was erhalten wir? Billigen Plunder, der die Märkte überflutet.

Ein Hebel
Plunder? Egal, Hauptsache: billig. Und wenn der moderne Mensch die Wahl hat, wofür entscheidet er sich? In der Masse gilt, billig ist gerade gut genug. Und so denkt aber leider nicht nur derjenige, der den Preis zahlt, sondern auch derjenige, der den Preis macht. Und derjenige, der den Preis macht, sitzt immer am längeren Hebel. Denn das ist der Hebel, der Lobbys finanziert, der Gehälter und Löhne zahlt, der Produktionsmittel beschafft, der Maschinen und Fertigteile einkauft und rationalisiert. Der Hebel, der die Preise senkst ist der gleiche Hebel, der die Einkommen schmälert, der gleiche Hebel, der Menschen zwingt, auf den Preis zu schauen. Ein Hebel, den auch China entdeckt und wie kein anderes Land für sich zu Nutzen gelernt hat

Auch das sollten wir im Chinesischuntericht erwähnen. Wir sollten erwähnen, dass in nahezu jedem deutschen Haushalt irgendein Produkt aus China steht, ein Produkt der Diktatur, der Unterdrückung des Volkes, der Manipulation des Marktes.
Wer in der Moderne mitreden will, muss mit China reden können. Die Betonung liegt auf „können“ nicht auf Wollen. Ein „wollen“ gibt es nicht. Und das ist kein Scherz und keine Übertreibung: es gibt kein „Wollen“ in der Wirtschaft. Entweder man schlägt Profit oder man geht unter.

Das endlose Netz
Der Zwang ist dabei längst entpersonalisiert, der Lobbyist selbst ist kein böser Mensch, er ist ausführendes Organ, anderer ausführender Organe, die auch nur Dinge ausführen. Eine lange Kette von Ausführenden, die irgendwann zum Verbraucher und wieder zurück führen. Ein Netz von Abhängigkeiten und Manipulation, in dem fast jeder hängt.

Um zu merken, dass man drin hängt, muss man nur einmal den Kühlschrank aufmachen. Nicht vorne, nicht die Tür, sondern hinten. Wie viele Teile wohl aus China kommen? Dort spottbillig gefertigt und von uns importiert, um hier eine Arbeitskraft zu sparen? Und wer hat sich beim Kauf darüber informiert?

Wir alle haben ein Stück China in der Wohnung. Vielleicht eine Lampe, ein Dosenöffner, ein Hefter, ein Spielzeug… Ein kleines Teil, an dem wir mehrfach am Tag vorbei laufen, das uns gar nicht auffällt. Ein Teil, das uns mitschuldig macht an jedem Verbrechen, das aus wirtschaftlichen Interessen in diesem Land begangen wird. Das Böse liegt nicht dort begraben, wo wir es sehen, es liegt in uns. Wir, die wir auf den Preis schauen, die wir zu dem günstigeren Produkt kaufen, die wir uns von Werbung blenden lassen. Wir sind nicht weniger schuldig, als diejenigen, die es produzieren, nicht weniger schuldig als diejenigen, welche die Werbung machen. Wir sind nicht besser als die Regierung, die die Rechte ihrer Bürger beschneidet, die Freiheit und Frieden fürchtet und verbietet.

Wenn das China, so wie wir es heute kennen, die Zukunft bestimmt, dann bedeutet dies die Niederlage der Menschenrechte selbst. Dann bedeutet dies, dass die Wirtschaft das besiegt hat, was uns seit dem zweiten Weltkrieg zum Heiligsten wurde. Genau dem Krieg, in dem China seine heutige politische Macht erhielt.
Und so schließt sich der Kreis: Der einstige Befreier, wird der neue Diktator.
Zukunft auf Chinesisch? Das würde bedeuten, den Slang der Mafia zu lernen, weil sie gute Geschäfte macht…

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