Wie hast du’s mit der Religion?

Kann man Metaphysik annehmen? Kann man ernsthaft annehmen es würde etwas geben, das jenseits der erfahrbaren Realität liegt? Natürlich kann man das, denn Glaube ist nicht rational und damit auch keinen rationalen Grenzen unterworfen, wie sie etwa durch Erfahrung und Wissenschaft aufdiktiert werden.

Jedoch, um tatsächlich etwas Metaphysisches an zu nehmen, kommt man nicht umhin, die beobachteten Ereignisse mit in Betracht zu nehmen. Denn für eine Metaphysik im Sinne der Seele, der Existenz über den physischen Tod hinaus, muss man wesentlich mehr annehmen, als den meisten Menschen bewusst ist.

Trotzdem: Neurobiologie
Häufig werden neurobiologische Erkenntnisse klein geredet, werden ihre Ergebnisse und Effekte wegen der eingeräumten Ungenauigkeit insgesamt abgelehnt. Dass jedoch gut funktioniert, was man bereits zu wissen scheint, wird dabei ignoriert, ganz gleich wie gut die Ergebnisse reproduzierbar sind. Das heißt, die Aufteilung des Gehirns in gewisse „Arbeitsbereiche“ bestätigt sich immer wieder und das sehr eindrucksvoll. Ist ein bestimmter Bereich geschädigt, so gehen damit gewisse Verhaltensauffälligkeiten einher. Umgekehrt kann man eben aus solchen Verhaltensauffälligkeiten auch auf gewisse Zustände im Gehirn schließen.

Diese Schlüsse nun, abseits jeglicher metaphysischer Beschaffenheit der Persönlichkeit, erklären gut das Verhalten von  gewissen Personen. Dabei ist seit erstaunlich langer Zeit bekannt, in welchen Grundzügen dies abläuft. Das heißt, lange bevor man auch nur Ansatzweise wusste, was das Gehirn eigentlich macht, wusste man bereits etwas über dessen Grundstruktur. Platon selbst teilte seinerzeit die Seele in 3 Teile: Die Begierde, den Mut und die Vernunft. Diese Teilung ist dabei erstaunlich treffend und beschreibt den Präfrontalen Vortex (Sitz der Moral), das Stammhirn (Sitz der Triebe) und eine scheinbar vermittelnde Instanz (das Bewusstsein) wobei ich bezogen auf letzteres bereits einiges dazu gesagt habe. So ist das Bewusstsein in seiner Beschaffenheit nicht dazu geeignet, tatsächlich einen so aktiven Part, wie die Vermittlung zwischen diesen Bereichen, zu übernehmen. Das heißt aber nur, dass die Vermittlung anders ablaufen muss, nicht etwa, dass es keine gäbe.

Solche und ähnliche Erkenntnisse nun bestätigen sich, liefern ein Bild des Aufbaus des Menschen mitsamt Persönlichkeit. Schlimmer noch, weitere neurobiologische Erkenntnisse erlauben sogar den Blick auf eben jene Dinge, die ihr eigentlich in den Rücken treten sollten.

Zweifelhafte Rettungsversuche
Nahtoderfahrungen dienten bisher als die Insel, das Gebiet, auf dem man eigentlich dachte etwas gefunden zu haben, das tatsächlich Rückschluss auf eine Seele zuließe. Sowohl das Schweben über dem Körper, als auch scheinbar unmögliche Wahrnehmungen, erzeugten die sichere Einstellung, die Persönlichkeit sei nicht an den Körper gebunden. Das erstaunliche dabei ist aber, dass es einen Bereich im Gehirn gibt, der dafür verantwortlich ist, dass wir uns als INNERHALB des Körpers befindlich wahrnehmen. Mit anderen Worten, die Empfindung des „Außerhalb-sein“ lässt sich mit der mangelnden Arbeit eines bestimmten Teils des Gehirns erklären.

Und wenn man eine Erklärung hat, die gut funktioniert, so gibt es keinen plausiblen Grund eine andere an zu nehmen, wenn diese keine besseren (ja nicht einmal gleichgute) Ergebnisse liefern kann. Andere Nahtoderlebnisse, wie etwa der Tunnel mit den Verwandten, sind nicht sonderlich relevant, denn alleine die Vorstellung eines bestimmten Bildes und das Abrufen von Erinnerungen, ist nicht außergewöhnlich. Obgleich die Form, über Kulturen übergreifend, häufig an zu treffen ist, so findet man auch Menschen, die eben solch eine Eingebung nicht hatten.

Umgekehrt jedoch findet man kaum Menschen, deren mentale Zusammensetzung tatsächliche Unterschiede offenbart, die sich nicht auch äußerlich wahrnehmbar machen. Dazu zählt neben der groben Zusammensetzung natürlich auch die gesamte Entwicklung vom Kleinkind zum Erwachsenen. Die Gehirne entwickeln sich ähnlich und mit ihnen das Verhalten. Es ist kein neuer gesellschaftlicher Umstand, dass Jugendlich seit den Zeiten des Aristoteles als ungestümes Pack bezeichnet werden. Der Grund dazu ist Simpel, der Präfrontale Cortex ist erst etwa mit der Volljährigkeit auch vollständig entwickelt. Ein weiteres erstaunliches Ergebnis, denn eben auch jene Grenze wurde gesetzt, bevor man über die Entwicklung des Gehirns bescheid wusste. Selbst das Strafrecht erlaubt im Zweifelsfalle, bis zum Alter von 21 Jahren, die Anwendung des Jugendstrafrechts und damit bis zu dem Zeitpunkt, ab dem in der Regel der präfrontale Cortex vollständig entwickelt ist. Das heißt aber, dass sich alleine in der Wirkung die Entwicklung des Gehirns zeigt und also die Annahme eines direkten Zusammenhanges sehr nahe liegt.

Nah UND fern?
Und eben aus solchen Fällen ergibt sich schließlich der zentrale Punkt: Wenn dies alles so nahe liegt, wenn die Entwicklung des Gehirns scheinbar direkt mit der Entwicklung der Persönlichkeit zusammen hängt, dann muss man für die Annahme, es gäbe zudem einen metaphysischen Aspekt der Persönlichkeit, namentlich eine „Seele“, auch die Falschheit eben solcher Ergebnisse annehmen. In ihrer Form aber unterscheiden sie sich nicht von anderen wissenschaftlichen Ergebnissen. Somit muss man allgemein annehmen, dass die Wissenschaft als Disziplin gar keine richtigen Ergebnisse liefere. Dies bedeutet aber zusammengefasst:
Der Glaube an die Metaphysik funktioniert nur unter der Annahme, die Welt sei ganz anders, als sie uns erscheint.

Denn so wie sie uns erscheint, bedarf es keiner Metaphysik, alle unsere Erlebnisse lassen sich üblicherweise ohne irgendwelche Annahmen jenseits physikalischer Zusammenhänge erklären. Allein die Komplexität gewisser Umstände (dazu zählt natürlich auch die eigene biologische Situation und soziale Interaktion) verschließen einen so extrem nüchternen Blick, wie man ihn beispielsweise auf die Erdanziehung hat. Eben deswegen wurden viele Disziplinen entwickelt.

Physik, Folgen und Fahrrad fahren
Vielleicht kann man irgendwann die Entwicklung der Persönlichkeit und soziale Interaktionen mit physikalischen Mitteln erklären, jedoch ist es unwahrscheinlich, dass alleine deswegen entsprechende Teildisziplinen, die sich mit sozialer Interaktion beschäftigen, überflüssig würden. Zwar handelt es sich um physikalische Ereignisse (Anmerkung: Chemie ist die Physik der Teilchen), aber eben in einem Grad an Komplexität, dass man mit diesem Wissen in einer alltäglichen Situation nicht angemessen hantieren kann.

Wobei ebenso die Möglichkeit besteht, dass der bisherige Umgang quasi die angemessene Folge der physikalischen Betrachtung ist. Genau so, wie man als Kind Tätigkeiten ausübt, die man nicht versteht – beispielsweise Fahrrad fahren. Man tut dies ohne zu wissen, wie genau das Fahrrad eigentlich funktioniert, ohne die Beschaffenheit des Objektes und die damit verbundenen physikalischen Gesetzen zu kennen. Wird man älter, beschäftigt sich damit und lernt alles dies kennen, ergibt sich daraus indes ein in keinster Weise veränderter Umgang mit dem Fahrrad. Das heißt, die konkrete Betrachtung zeigt, dass der bisherige Umgang nicht verbessert werden kann. Man fährt nicht besser Fahrrad, wenn man weiß, wie es funktioniert. Ebenso kann es sein, dass die Erkenntnis der physikalischen Beschaffenheit des kognitiven Apparates in sozialen Interaktionen  keine veränderte Handlungsweise nach sich zieht.

Gleichwohl gilt in beiden Fällen natürlich, dass die Erkenntnis der zugrundeliegenden Beschaffenheit in gewissen Vorteilen des Verständnisses resultiert, welche das eigene Handlungsfeld vergrößern. Wenn man weiß, wie das Fahrrad funktioniert, kann man mehr damit machen (und sei es nur das Reparieren) und ebenso dürfte sich dies für den kognitiven Bereich darstellen. Aus dem Wissen ergeben sich neue Möglichkeiten. Möglichkeiten, die sich auch praktisch immer wieder bestätigten und bestätigen und die sich mit der Vorstellung, die Welt funktioniere ganz anders, nicht vereinen lassen.

Vollkommen anders
Das ist eben die Schwäche der Metaphysik, sie hat kein Fundament. Weil Glaube nicht rational ist, spreche ich auch bewusst nicht von einem rationalen Fundament, im Sinne der Schlussfolgerung aus gegebenen Ereignissen. Aber eben auch kein Fundament in logischer Hinsicht, denn Menschen die an eine Seele glauben, sind in sich selbst-widersprüchlich. Um an eine Seele zu glauben, muss man annehmen, das wissenschaftliche Prinzip sei falsch. Wie bereits in der Tassenstrahlung erläutert, bietet sich zwar Raum für dessen Falschheit, aber nur wenn man annimmt, die Welt sei in Wahrheit vollkommen anders, als sie uns erscheint.

Ist die Welt vollkommen anders, so stellt sich natürlich einerseits die Frage, wie man dies denn erfahren will und zum anderen, wie man denn dann in der Welt umgehen sollte. Wenn wir annehmen, unsere Erfahrungen seien falsch, dann können wir auch unmöglich richtig handeln, weil unser Handeln ja auf den Erfahrungen beruht, die nun aber angeblich alle falsch sind.

Ein wenig Logik
Wobei es rein von der Logik her eigentlich gar kein Problem darstellt, wegen falscher Annahmen richtig zu folgern, so wie „Wenn es regnet, wird die Straße nass“ überhaupt kein Problem damit hat, wenn die Straße nass ist, ohne dass es geregnet hat (weil die Straße anderweitig nass wurde). Das heißt es könnte sein, dass man richtig handelt, obwohl man falsche Erfahrungen hat. Die Frage ist aber, wie man dies denn feststellen solle.

Allem voran, weil die Annahme der falschen Erfahrung zu dem Problem führt, dass man Handlungen überhaupt nicht mehr bewerten kann. Denn wenn das, was wir wahrnehmen, gar nicht die Wahrheit ist, wonach sollte man dann Handlungen einschätzen? Wie soll man in einer Welt umhergehen, von der man annimmt, dass sie überhaupt nicht so beschaffen sei, wie man sie wahrnimmt? Wenn man nicht einmal annehmen kann, dass man genau so handelt, wie man eben dies wahrnimmt? Der Glaube scheitert daran, dass er sich des Fundamentes entzieht.

Beispiel: „Du sollst nicht töten!“
Wenn ich nun annehme, meine Sinneseindrücke, mein Bild von der Welt und alles was ich wahrnehme, entspräche nicht der Realität, wie kann ich dann guten Gewissens behaupten, noch nie getötet zu haben? Die Handlungsnorm, die Religionen mitliefern, basieren allesamt auf der Annahme, die Wahrnehmung der Welt sei real und richtig. Ist die Wahrnehmung richtig, so gibt es gemäß der Neurobiologie keinen Grund zu der Annahme einer metaphysischen Persönlichkeit. Ist die Neurobiologie falsch, so geht dies nur, wenn das wissenschaftliche Prinzip falsch ist. Weil aber unser alltäglicher Umgang miteinander und mit der Welt in vielerlei Hinsicht aus dem wissenschaftlichen Prinzip hervor geht, würde dessen Falschheit mit der Falschheit der Erfahrung einhergehen. Ist aber die Erfahrung falsch, mangelt es an jeglicher Grundlage, um mit der Welt umgehen zu können.

Irrational, ok. Aber inkonsequent?
Es mangelt dem Glauben also nicht alleine an einem rationalen Fundament (welches er ja nicht benötigt), sondern ebenso an Konsequenz. Die Inkonsequenz indes ist dabei für den Glauben etwas recht gewöhnliches. Die meisten Menschen haben viel weniger Problem damit sich vor zu stellen, ein Wesen namens „Gott“ existiere schon ewig und habe das Universum erschaffen, als die Annahme, das Universum existiere schon ewig.

Man hinterfragt die Herkunft des Universums konsequent, nicht aber die Herkunft Gottes. Eben eine solche unbegründete Inkonsequenz ist das eigentliche Fundament des Glaubens. Die bewusste Entscheidung zum Glauben fußt in den meisten Fällen auf mangelndem Wissen und schlimmer noch dem Unwillen, sich eben solches Wissen aus unabhängigen Quellen zu beschaffen. Die Inkonsequenz kann also auch durch andere Quellen hervorgerufen worden sein, was nichts an ihrem Vorhandensein ändert.

Eine moderne Religion
Der gewöhnliche Glaube an eine Seele, ist also in sich widersprüchlich und damit nicht haltbar. Das heißt, eine angemessene, moderne Religion, käme nicht umhin, sich eines solchen Begriffes der Seele zu entledigen und ihn durch einen angepassten Begriff zu ersetzen. Denn die Idee, einfach die Beschaffenheit der Realität fundamental an zu zweifeln, kommt auch zu dem Problem, dass alleine deswegen das Vorhandensein einer Seele nicht näher liegt. „Anders beschaffen sein“ lässt viel Spielraum und die Existenz einer Seele ist in diesem Spielraum ebenso nicht zwingend.

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5 Antworten zu Wie hast du’s mit der Religion?

  1. Hans Müller schreibt:

    *Präfrontaler Cortex 😉
    Das mit der eindeutigen zuordnung bestimmter Aufgaben zu bestimmten Hirnregionen funktioniert bei weitem nicht so gut wie es häufig zu hören ist. Bspw fehlen einigen Leuten gesamte Hirnareale, ohne dass man es ihnen anmerkt. Das Gehirn ist nun einmal weitaus komplexer, als man es bisher vermutet hat. Philosophisch betrachtet ergeben sich auch einige Bedenken, ob man jemals überhaupt die Herkunft, den Sinn und das Entstehen von Bewusstsein klären kann (siehe Peter Bieri, der das in einem Spektrum Artikel sehr schön formuliert hat)
    .
    Neurowissenschaft hat nun auch bis dato nicht allzuviel gebracht (andere Wissenschaften, die genau so lange oder noch länger existieren verzeichnen größere Erkenntnisfortschritte) und das neurobiologische Manifest ist einfach ein Produkt der menschlichen Hybris. Es gibt unglaublich viele Experimente, die kaum Aussagekraft besitzen und einzig und allein von der Interpretation abhängig sind (zB Libet). Viele sind auch von anderen Experimenten in Frage gestellt worden (ohne dass die breite Öffentlichkeit das mitkriegt, denn man muss schon lange und viel recherschieren, ohne Scheuklappen aufzusetzen um all das sammeln zu können.)
    Hier scheint es nun einmal eine Grenze zu geben für die Biologen. Die Philosophen können sich zwar etwas ausdenken, aber das läuft dann eher in antiker Tradition ab ( nicht an der Realität überprüft).

    Nahtoderfahrungen sind jetzt auch nicht unbedingt etwas, was man heutzutage in einer Argumentation verwenden sollte, da sämtliche wissenschaftliche Erklärungsversuche von diversen niederländischen, amerikanischen, britischen und deutschen Studien (in den meisten Fällen prospektiv) widerlegt, oder zumindest angezweifelt worden sind.

    Konstruktivismus ist etwas, worüber man nicht diskutieren kann, weil die Positionen zu eindeutig sind und die Argumentation meist zu sehr über die „Spitzfindigkeiten“ abläuft, was nichts mehr mit Erkenntnis zu tun hat, sondern nur noch dem Streiten an siche Brennstoff bietet.
    Genau dies passiert auch bei der Diskussion um den Freien Willen, dessen Definitionen meist unterschiedlich sind (selbst Schopenhauer würde hier nicht streiten wollen ;D ).

    Im Grunde genommen bleibt der Agnostizismus (wobei natürlich jeder eine Richtung hat, in die er Gefülstechnisch geneigt ist 😉 ).

  2. lucia schreibt:

    Wir können aber Mittel und Wege erdenken, um den für uns biologisch unzugänglichen Teil der Umwelt in erkennbare Formen um zu wandeln – sprich Mesgeräte ^^

    Okay, dann haben wir alle anstatt ’ner Brille Messgeräte auf der Nase, die uns aber nicht mal Brauchbares ohne das Teil liefern. Außerdem werden Dinge von uns gebaut, und was sie zeigen sehen wir zwangsläufig NUR mit unseren Augen. Soll heißen, sie zeigen evtl. mehr, aber unsere Augen können es nicht erkennen.
    Huhu – Effizienz wo bist du?
    Wir können machen was wir wollen, unsere Subjektivität ist immer dabei.^^

    • Shuizid schreibt:

      Wir können machen was wir wollen, unsere Subjektivität ist immer dabei.^^

      Bei der Tassenstrahlung habe ich dazu und dem wissenschaftlichen Prinzip einiges geschrieben. Das gilt für auch für Messgeräte und Co. Wobei die Kurzfassung recht billig ist: Wahr ist, was funktioniert.
      Wir legen Objektivität fest, weil wir sie nicht erreichen können. Aber solange es funktioniert, warum daran zweifeln? Außer, um dubiose Religonen zu etablieren, die aber selbst nurnoch Hirngespinste sind und nicht einmal mit empirischer Erfahrung verinbar sind ^^
      Unsere Subjektivität können wir nicht eliminieren, aber dafür sind die Erkenntnisse scheinbar sehr unabhängig vom Subjekt und sogar für die meisten bekannten Lebewesen in Grundzügen identisch.

  3. lucia schreibt:

    Es mangelt dem Glauben also nicht alleine an einem rationalen Fundament, sondern ebenso an Konsequenz.

    Das ist paradox, hätte der Glaube ein rationales Fundament, wäre die Konsequenz es ist kein Glaube. Was gewusst wird, braucht ja nicht auch noch geglaubt werden.

    Denn die Idee, einfach die Beschaffenheit der Realität fundamental an zu zweifeln, kommt auch zu dem Problem, dass alleine deswegen das Vorhandensein einer Seele nicht näher liegt. „Anders beschaffen sein“ lässt viel Spielraum und die Existenz einer Seele ist in diesem Spielraum ebenso nicht zwingend.

    Nee ist nicht zwingend, es ist aber auch nicht zwingend, dass es keine Seele gibt. Die Wichtigkeit der Seele, nicht Psyche, könnte durch die Erkenntnis unserer Sterblichkeit entstanden sein. Vielleicht fällt es mit dem Glauben an eine unsterbliche Seele dann leichter, die Löffel abzugeben. K.A. Wenn ich sterbe, werde ich es erfahren und das ist für mich früh genug.

    Außerdem erübrigt sich die Beschaffenheit der Realität anzuzweifeln, weil wir nicht ohne uns selbst wahrnehmen können. Folglich kann Wahrnehmung nur subjektiv sein. Die Objektivierung des Wahrgenommenen dient dem Erfahrungsaustausch mit anderen und verleiht dem Ganzen für uns eine gewisse Konsistenz. Deswegen ist für uns alle, wenn man nicht farbenblind ist, bspw. rot rot.

    Ob es tatsächlich rot ist, können wir folglich nicht wissen. Außerdem können wir gar nicht das gesamte Farbspektrum wahrnehmen. Dasselbe gilt fürs Gehör. Mit anderen Worten, wir können nur den uns möglichen Ausschnitt des Raum Zeit Kontinuum wahrnehmen, und müssen uns damit abfinden, dass alles anders aussehen kann. Wer daraus ein Problem macht, na dann hat er eins. 😀

    LG,
    Lucia

    EDIT:

    Hab das Häkchen bei Benachrichtigung usw. usf. vergessen 😉
    [Text hierein verschoben ^^]

    • Shuizid schreibt:

      Mit rationalem Fundament meine ich, dass der Glaube in seiner Struktur keine Widersprüche besitzt, dass also seine grundsätzlichen Behauptungen überdacht sind. Das ließe sich noch problemlos mit metaphysischen Aspekten, wie etwa einer Seele, vereinen. Also wäre es im ersten Moment möglich, Religion rational zu begründen (weil Rationalität nicht festlegt, wie die Ereignisse zu deuten sind, die dazu führten, dass man an Gott oder ähnliches gaubt). Glaube ist es ja, weil es keine Möglichkeit der Überprüfung gibt und solange Aspekte vorhanden sind, die sich einer wissenschaftlichen Überprüfung entziehen, ist es Glaube 😉

      es ist aber auch nicht zwingend, dass es keine Seele gibt.

      Das ist natürlich mein Schwachpunkt in der Ausführung >.<
      Dann kann ich Religionen zwar nicht widerlegen, aber es genügt trotzdem um die Inkonsequenz religiöser Menschen heraus zu arbeiten. Denn auch wenn man die Beschaffenheit der Realität fundamental anzweifelt und durch ein völlig neues Konstrukt ersetzt, das dann nurnoch zufällig identische Ergebnisse liefert, so begibt man sich in eine unglaubliche Erklärungsnot, warum eigentlich unsere Erfahrungswelt, wenn sie doch falsch ist, so einwandfrei funktioniert. Da kann man zwar Gott als ordnende Instanz einfügen, läuft aber direkt auf die Theodizee hin, warum Gott uns denn in der Neurowisenschaft so täuscht. Dann kommt man zur Willkür und zu der Frage, wie man ernsthaft glauben kann, ein so willkürlicher Gott sei irgendwie moralisch gut…

      wir können nur den uns möglichen Ausschnitt des Raum Zeit Kontinuum wahrnehmen, und müssen uns damit abfinden, dass alles anders aussehen kann.

      Wir können aber Mittel und Wege erdenken, um den für uns biologisch unzugänglichen Teil der Umwelt in erkennbare Formen um zu wandeln – sprich Mesgeräte ^^

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