Good buy Griechenland

Griechenland ist pleite. Wer hätte das gedacht? Nachdem es ja nur seit ein paar Monaten die Nachrichten rauf und runter geträllert wird, das Lied vom faulen Griechen, der seinen Staat ausbeutete und nun keinen Bock hat, dafür die Rechnung zu bezahlen, sondern lieber die Zeche prellt, auf dass ganz Europa mit den faulen Schweinen untergeht… Der Untergang… hätte bestimmt auch gut als Titel gepasst. Naja, einer muss reichen.

Was passiert gerade eigentlich mit dem Griechen? Erstaunlich, dass die faulen Leute sich dort noch auf die Straße trauen, nachdem sie so dreist die EU belogen haben und Gelder aus dem Fenster schmissen, als gäbe es niemanden, der mitrechnet… Dasselbe gilt zwar auch für diejenigen, welche jetzt große Sparpläne diktieren, aber die können sich das noch ne Weile leisten, da spielt man sich doch gerne auf.

Der Rest gegen die bösen Griechen
Die Griechen nun, die pösen Steuerhinterzieher, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, ihr Volk belogen und sich auf Kosten anderer bereicherten. Zum Glück tut das bei uns keiner! Also, ein paar Sachen davon vielleicht, aber abgesehen vom ersten und zweiten, gibt es dann nur noch eine Sache von den aufgezählten, die hierzulande auch vorkommt. Unsere Zinstilgung erweckt mit Platz zwei in den Staatsausgaben zu mindestens nicht dein Eindruck, von klugem Umgang mit Geld. Aber das ist ja bestimmt kein Beleg für eine unüberdachte Regierung. Die würde schließlich nach Steuersenkungen rufen oder total unnütze Sparpläne aus dem Hut zaubern, nachdem Milliarden für irgendwelche Hütchenspieler rausgeflogen sind. Sowas tun wir ja nicht! Und Weil man eine Regierung auch nach Möglichkeit nicht daran messen soll, wie sehr sich Aussagen vor der Wahl von denen nach der Wahl unterscheiden, kann man ihnen auch keine Lügen vorwerfen…

Aber lassen wir mal kurz die eigene Haustür in Ruhe, der Straßenfeger ist eh zu teuer, um da zu kehren. Betrachten wir doch Lieber das Land der Philosophen und Sportler: Griechenland. Dort, wo der Olymp erfunden und das Nichtwissen entdeckt wurde. Inzwischen tut Griechenland ja alles dafür, um aus der Schuldenkrise raus zu kommen. Und was tut man da am besten, wenn man hohe Schulden hat?

Als privater Schuldner
Nun, ich als Privatperson habe da wenige Möglichkeiten – gemäß dem Fall, ich hätte gigantische Schulden und könnte diese mal überhaupt nicht begleichen. Dann gehe ich zum freundlichen Bankberater meiner Wahl, dem ich eigentlich meine gigantischen Schulden zurückzahlen sollte. Der macht mir nun das unglaublich tolle Angebot, mir Geld zu geben, um meine alten Schulden zu bezahlen, weil er so ein freundlicher Mann ist. Einzige Bedingung: Nun, ich möchte doch bitte die Zinsen aus meinem Einkommen zahlen. Und weil der nicht so davon überzeugt ist, sein Geld wieder zu sehen, verlangt er halt ein paar höhere Zinsen, nur so zur Sicherheit. Alles kein Problem, die paar Zinsen kann ich schon berappen, ich habe ja hoffentlich ein Einkommen. Und weil ich ein Einkommen habe, das zumeist von meinem Arbeitgeber bestimmt wird und über die Zeit nur dann stark variiert, wenn ich den Job verliere, kann ich mir dessen relativ sicher sein. Denn das schöne als Privatperson ist, wenn ich Geld brauche, gehe ich arbeiten. Und wenn ich von dem Geld das ich habe, viel für eine bestimmte Sache ausgeben muss, dann kann ich an anderen Sachen sparen. Denn als Privatperson ist die Rechnung relativ simpel: Bekomme ich Gehalt, so habe ich einen festen Wert, der jeden Monat auf mein Konto wandert. Bekomm ich Lohn, so habe ich eine total einfache Formel, um mein Investitionsgut Zeit in meinen Gewinn um zu rechnen. Dabei ist egal, ob Lohn nach Zeit oder Stückzahl, denn sobald man sich eingearbeitet hat, dürfte sich ein relativ konstantes Verhältnis von Stücken je Zeiteinheit ergeben. Alles andere wäre an dieser Stelle auch viel zu kompliziert.

Zusammenfassung: Ich bekomme eine relativ überschaubare Summe an Geld und damit kann ich lustig rumwuseln, wobei ich noch so viel Subtraktion beherrschen sollte, um das Geld für die Notwendigen Ausgaben bereit zu haben, wenn ich es brauche. Privatperson sein ist schon ne einfache Sache.

Fauler Zauber
Und nun kommt ein kleiner Zaubertrick! Bitte beachten sie nicht den doppelten Boden, den unauffälligen Spiegel und die Hände der hübschen Assistentinnen. Denn wir verwandeln jetzt einen Staat in… GENAU, eine Privatperson! Und Schwupps: „Hallo Herr G. Land. Wie geht es ihnen? Ach, hoch verschuldet? Na das ist ja doof. Aber keine Sorge, wir haben da eine Lösung für sie. Sparen sie doch einfach mal ein bisschen Geld, legen sie was beiseite und verkaufen sie ihre lustigen Kunstsammlungen, bevor sie der Gerichtsvollzieher pfändet.

Jaja, so Zaubertricks sind toll. Aber Sie haben es bestimmt gemerkt, der Hut des Herren G. Land hat nicht mehr auf die Leinwand gepasst…

Was unterscheidet ein Land in einer solchen Situation wohl eigentlich, von einer Privatperson? Erst gestern musste ich dazu in South Park etwas sehr interessantes sehen. Die „Wirtschaft“ angebetet als omnipotentes Wesen, kann man nicht mittels Sparkurs wohlgesonnen stimmen. Ganz im Gegenteil, die Wirtschaft funktioniert nur, wenn man Geld ausgibt. Eine Pizzeria geht Pleite, wenn die Leute sich die Pizza sparen. Mir als Privatperson kann das egal sein, denn ich bin nur ein einzelner Kunde und mein Einkommen steht in keinem bedeutenden Zusammenhang zur Pizzeria. Meine Kristallgläser sind zwar schön an zu sehen, aber auch sie haben wenig mit meinem Einkommen zu tun. Anders aber sieht das beim Staat aus. Ein Staat nämlich generiert sein „Einkommen“ über Steuern und diese werden genau dann eingezogen, wenn Menschen Geld ausgeben. Je mehr Geld die Menschen ausgeben, desto mehr Geld nimmt ein Staat ein. Während mein Einkommen sich nen Dreck darum schert, ob die Pizzeria im Nachbarort expandiert oder insolviert, ist das für den Staat nicht egal. Denn wenn die Pizzeria schließt, weil niemand mehr dort einkaufen geht, dann fallen alle Steuern weg, die dort erhoben wurden. Und wenn die Bevölkerung den Gürtel enger schnallt, dann geben sie weniger Geld für nicht-notwendige Sachen aus. Dummerweise lebt die moderne Marktwirtschaft davon, dass Menschen Dinge kaufen, die nicht notwendig sind. Geben sie weniger Geld aus, nimmt der Staat weniger ein, damit schwindet die Wirtschaft und der Staat nimmt noch weniger ein.

Ohne billige Tricks
Also, was tun, wenn die Kasse leer ist? Da das Einkommen des Staates direkt mit der Wirtschaft zusammenhängt, müsste man alles tun, um die Wirtschaft am laufen zu halten und zugleich mehr Einnahmen generieren und Ausgaben kürzen. Damit die Wirtschaft läuft, muss man nur unglücklicherweise Geld investieren, in Infrastruktur, Bildungs- und Gesundheitswesen zum Beispiel. Alle Einschnitte dort beeinflussen nämlich auf kurz oder lang die Wirtschaft negativ. Alternativ kann man sich lustige neue Steuern ausdenken, um den Bürgern auf den Keks zu gehen. Denn die Bürge waren sehr nachlässig mit ihrer Buchhaltung und haben Geld, das eigentlich dem Staat zusteht, selbst ausgegeben. Und genau das Geld möchte der Staat nun haben – schließlich steht es ihm zu. Wie beim Zaubertrick oben sollten wir aber auch hier nicht vergessen, dass nicht alles so funktioniert, wie es aussieht.

Da ist der kleine Fischer, der sein Boot die letzten Jahre genutzt hat, Fische fing und verkaufte. Und der soll nun seine Steuern darauf bezahlen, für die gesamten Jahre. Das Geld hat er mittels des Verkaufes eingenommen, also kein Problem? Falsch. Unser Fischer nämlich ist ein ganz normaler Mensch und nicht sonderlich wohlhabend. Und was machen normale Menschen mit Geld? Richtig: ausgeben. Das Privileg, große Summen Geld auf illegalen ausländischen Konten zu lagern und zwielichtige Geschäfte damit zu finanzieren, um noch mehr Geld zu bekommen, das man aber gar nicht braucht, das kommt nur für eine geringe Anzahl an Menschen in Betracht. Die meisten haben keine großen, gut gefüllten Konten, die haben ihre Geldbörse und ein par Ersparnisse für schlechte Zeiten. Das Geld, das sie durch Steuerhinterziehung nicht dem Staate gaben, haben sie anderweitig aufgewendet, es ist nicht mehr in ihrer Hand. Kann die Nachforderung nicht anständig beglichen werden, dann geht unser Fischer beispielsweise Pleite. Und viele Pleitefischer sind eine schlechte wirtschaftliche Grundlage. Solche neuen Einnahmequellen schaden also direkt und ohne Umschweife der Wirtschaft. Dass dann der Pleitefischer natürlich auch weniger Geld ausgibt und dies weiteren Branchen schadet, ganz zu schweigen.

Man kann also nicht beliebig Ausgaben streichen und Einnahmen erzwingen. Aber Griechenland hat keine Wahl, denn die Sparpläne sehen schnelle und effektive Ergebnisse vor. Doch ganz gleich ob Stellenabbau, neue Steuern, Steuereintreiber oder die Streichung von Investitionen, das alles hat direkte Auswirkungen auf die Wirtschaft. In Griechenland hält bereits eine große Rezension ein, dabei wäre selbst eine Stagnation des Wirtschaftswachstums bereits pures Gift. Die Wirtschaft baut ab und egal wie viel die Griechen sparen, ihre Schulden werden mehr, die Zinsen auf ihre Schulden erst recht. Und nur um den Pessimismus auch mal aus zu schreiben: Es gibt KEINEN Ausweg.

Absturz und Ausverkauf
Man kann dies den „Punkt ohne Rückkehr“ nennen. Jener Punkt wird in dem Moment erreicht, in dem das Einkommen abzüglich der Zinsen nicht mehr ausreicht, um ein Wirtschaftswachstum zu generieren. Warum Wachstum und nicht bereits Stillstand? Weil man bisher stets zur Aufnahme von Schulden gezwungen war und nur eine wachsende Wirtschaft auf Dauer Einnahmen garantiert, welche eine Tilgung der Schuld selbst zulassen würden.

Griechenland aber hat eine Rezession, die Wirtschaft schrumpft. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Bürger vor einem Problem stehen: Sie wissen nicht, wie es weiter geht. Und wenn man Angst vor der Zukunft hat, lebt man vorsichtiger und sparsamer. Das ist nun die Ironie an der Sache, während der Staat spart, müssten die Bürger mehr Geld ausgeben. Denn die Wirtschaft kann nur wachsen, wenn Geld ausgegeben wird.

Und was gibt es nun noch für Möglichkeiten? Nun, für die Großzügigen Anleger bietet sich gerade die wunderbare Gelegenheit, sich ein bisschen Griechenland zu kaufen. Inseln, Kunstwerke, ja vielleicht sogar historische Denkmäler! Alles muss raus! Ganz recht, gönnen Sie sich mal etwas Besonderes und kaufen Sie sich ein Stückchen Griechenland!

Der Ausverkauf des Staatseigentums ist eine Möglichkeit, um schnell Geld zu erhalten. Natürlich geht mit jedem Verkauf eine langfristige Einnahmequelle verloren. Denn man kann die selbe Insel nur einmal verkaufen. Zwar bringt das einmalig viel Geld, aber dafür fallen alle folgenden Einnahmen mittels Tourismus flach. Und wenn öffentliche Einrichtungen zukünftig privaten Eignern gehören, dann haben wir im besten Fall aktienmarktorientierte Gewinnstrategien wie bei der deutschen Bahn. Im schlimmeren Fall ein kleines Bahnchaos mit ein paar Toten wie in Großbritannien. Und um schlimmsten Fall diesen Witz von „Crossboarderleasing“, bei dem Staatseigentum an Investoren verkauft und fortan vom Staat geleast wird. Das ist vergleichbar damit, dass ich mein eigenes Auto verkaufe und dann vom Käufer lease. Das bringt mir einmalig Geld durch den verkauf, kostet mich dafür regelmäßig die Leasinggebühr. Und damit sich das für den Käufer lohnt, zahle ich aufsummiert natürlich mehr für das leasen, als ich durch den Verkauf eingenommen habe.

Obgleich alle Alternativen schlecht klingen, Griechenland hat keine Wahl. Der Ausverkauf steht bereits ins Haus, denn nur wenn Sparziele erreicht und Einnahmen generiert werden, wird dem Staat das Geld zur Verfügung gestellt, dass benötigt wird, um anfallende Zahlungen zu begleichen. Derweil schrumpft die Wirtschaft und die Zinsen steigen, so dass die Pleite nur ein Stückchen in die Ferne rückt, aber das ist weit genug, um nicht mehr für die kurzfristigen Lösungen relevant zu sein.

Fakt ist aber, Griechenland ist pleite und kein Ausverkauf kann daran etwas ändern. Schlimmer noch, diese Pleite selbst ist nicht nur unausweichlich, ihr werden auch noch weitere Folgen. Und es gibt bisher keine realistische Strategie, um damit um zu gehen.

Und daher ein kleiner Tipp an alle Leser: Nutzt die Chance, solange es sie gibt und kauft euch ein Stück Griechenland, wenn es euer Geldbeutel erlaubt 😉

Denn so alternativlos wie die Sparprogramme, so unausweichlich ist die Pleite.

Derweil ist ungewiss, was von der EU übrig bleibt, wenn ein Staat Pleite geht, während eine handvoll weiterer auf der Kippe stehen. Daher könnte das eine einmalige Gelegenheit sein! Denn wenn nach Griechenland der gesamte Wirtschaftsraum den Bach runter ginge, hat man wenigstens noch ein Stück eigenes Griechenland, mit dem man angeben kann.

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