Eine alltägliche Meinung

Meinungen und Behauptungen, was das ist, hatte ich ja bereits erklärt. Nun aber stellt sich die große Frage, warum genießen Religionen die Freiheit, sich nicht beweisen zu müssen, obwohl sie doch Behauptungen sind?

Dafür ist die weltliche Ansicht von Meinungen und Behauptungen verantwortlich. Wie wir aus der Morgenzeitung wissen, kann das was gestern richtig war, heute falsch sein. Gestern war es richtig, dass Atomkraftwerke total sicher für lange Zeit sind, heute ist die Aussage „plötzlich“ falsch. Dabei gilt dank elementarer Logik, eine Aussage in einem bestimmten Kontext hat einen ewig gültigen Wahrheitswert. Das heißt, für eine Aussage ist nicht nur ihr Inhalt, sondern auch der Kontext und damit insbesondere die Zeit, in der sie getätigt wurde, für ihren Wahrheitswert von Relevanz. Die Aussage „AKW sind sicher.“ Kann also zu einem Zeitpunkt richtig, zu einem anderen Zeitpunkt falsch sein. Bedenken wir die Lage in Deutschland, so müssen wir aber eingestehen, dass zwischen diesen beiden Aussagen unserer Kanzlerin zu wenig Zeit lag, um da einen relevanten Einfluss der Zeit zu sehen.

Und neben der AKW-Sicherheit gibt es zudem auch Aussagen die einen einzigen und ewig gültigen Wahrheitswert haben. Etwa die Aussage „Gott existiert“, wie man sie in vielen Religionen antrifft. Denn weil Götter gerne als unsterblich gelten, sind diese Aussagen unabhängig von der Zeit. Ihr Wahrheitswert gilt ewig und unabhängig vom Kontext.

Jedoch, was haben nun die AKW und Gott gemeinsam und was unterscheidet sie?
Beides sind wahrheitsfähige Aussagen, zudem kein Ausdruck einer subjektiven Einstellung und doch gibt es einen elementaren Unterschied: Wir können ganz real die AKW auf Sicherheit überprüfen, Gott aber nicht auf Existenz.

Definitionen für den Alltag
Und deswegen gibt es eine weltliche Definition von Behauptungen und weil sie zusammen mit Meinungen ein Gegensatzpaar bilden, ergibt sich daraus auch eine entsprechende Erweiterung.
Eine Behauptung ist natürlich weiterhin eine wahrheitsfähige Aussage, ABER sie wird um die Bedingung erweitert, dass die höchste Rechtsinstanz diese Wahrheit feststellen können muss. Im Falle Deutschlands etwa hieße das, jede Aussage, die vom obersten Gerichtshof auf ihre Wahrheit geprüft werden könnte, ist eine Behauptung. Und alles, was dieser nicht überprüfen kann, ist eine Meinung.

Kein Schwammkopf, aber schwammig
Diese Festlegung ist natürlich im Gegensatz zur strengen Definition schwammig. Technischer Fortschritt etwa vergrößert die Möglichkeiten Aussagen zu überprüfen. Ebenso gibt es Aussagen, die zwar zu einem Zeitpunkt nicht überprüft werden können, die dennoch unter die Behauptungen fallen. Etwa die Möglichkeiten, Spuren von Tatorten bestimmten Verdächtigen zuzuordnen, sind in den letzten paar Jahrzehnten massiv verbessert worden. Vor dieser Zeit hätte man aber die Beschuldigung eines Verdächtigen als den Täter nicht als eine Meinung angesehen – ganz gleich ob irgendein Gericht zu dieser Zeit hätte diese Aussage überprüfen können.

Die Meinung „Gott“
Nun zählt etwa Gott zu den Dingen, die man momentan noch nicht beweisen kann. Auch darf bezweifelt werden, ob wir dazu jemals in der Lage sein werden. Wenn Gott aber existiert, so muss es theoretisch möglich sein, diesen zu beweisen. Was übrigens die Nichtexistenz angeht: Sie kann nicht bewiesen werden. Das ist so, weil im Sinne der Wissenschaft (und damit der Disziplin, welche Beweise aufstellt) Gott gar nicht erst angenommen wird. Denn ganz gleich was man mit Gott erklären möchte, diese Annahme ist so komplex, dass sie unmöglich den Erklärungsbedarf liefert, den sie bezogen auf ihre Komplexität liefern müsste. In diesem Sinne: Gott gilt so lange als nicht bewiesen, bis das Gegenteil (also Gottes Existenz) bewiesen wurde.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Argumentation abgelegt und mit , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s