Eine strenge Meinung

Wenn man sich im Internet herumtreibt oder auch so mal mit Leuten diskutiert, wird man, sofern es Kontroversen gibt, irgendwann auch mal zu einem elementaren Grundrecht kommen: Der Meinungsfreiheit.
Leider ist erstaunlich unbekannt, was eigentlich das Gegenteil einer Meinung ist, wie man diese unterscheidet und was demzufolge eigentlich von der Meinungsfreiheit geschützt wird.

Bevor man sich auf die einzelnen Begriffe stürzt, ist allerdings noch eine Unterscheidung notwendig. Man kann nämlich Meinungen und deren Gegenteil auf zwei Arten definieren. Einmal bezogen auf den täglichen weltlichen Umgang bezogen und einmal auf eine klare und korrekte sowie allgemeingültige Definition. Dabei ist die weltliche Definition eine Einschränkung der allgemeinen Definition, wobei diese Einschränkung etwa notwendig für Religionsfreiheit ist. Deswegen behandle ich die strenge Auffassung und an anderer Stelle die weltliche.

Allgemein:
Ganz allgemein und so kurz wie möglich: Eine Meinung bezeichnet eine persönliche Vorliebe.
Das ging schnell. Aus Gründen der Umgänglichkeit kann man zudem Ausdrücke von persönlichen Vorlieben mit unter Meinungen zählen, auch wenn diese eigentlich keine Meinungen mehr sind.

Ok, das war jetzt langweilig, deswegen betrachten wir doch einmal, was denn eigentlich das Gegenteil einer Meinung ist.
Hier kommen wir zu den „Behauptungen“. Diese bezeichnen alle wahrheitsfähigen Aussagen. Das heißt, jeder geäußerte Zusammenhang, den man auf irgendeinem Wege beweisen kann oder könnte, ist eine Behauptung. „Wahrheitsfähig“ bedeutet, dass diese Aussagen entweder richtig oder falsch sind.

Warum bilden die beiden ein Gegensatzpaar?
Bedingt durch die Erweiterung bei den Meinungen, gibt es Überschneidungen, aber eigentlich ist der Unterschied simpel: Meinungen können nicht wahr oder falsch sein, Behauptungen schon. Meinungen sind also nicht wahrheitsfähig. Das ist indes keine willkürliche Festlegung, sondern man kann gar nicht sinnvoll einen Beweis für eine Meinung einfordern.

Beispiele:
Ganz streng genommen sind nur Aussagen der Form „Käse ist lecker“ Meinungen. „Ich finde Käse lecker“ Hingegen ist eigentlich eine Behauptung – denn man könnte ja überprüfen, ob ich Käse wirklich lecker finde oder nicht. Da ich mit dem zweiten aber eine persönliche Vorliebe ausdrücke, kann man solche Aussagen für gewöhnlich als Meinungen verbuchen.
Beim ersten aber kann man nichts überprüfen. Wie bereits zur Tassenstrahlung erklärt, gibt es ganz klare Richtlinien, wie eine Überprüfung und damit eben ein Beweis für eine Aussage aussehen muss. Weil „lecker finden“ aber von Person zu Person verschieden und damit subjektiv ist, kann die geforderte Objektivität von Beweisen grundsätzlich nicht erfüllt werden.

Zur Unterscheidung gilt zu beachten, dass hierbei „Käse“ das zu betrachtende Objekt ist, über das eine Aussage getätigt wird. In „Ich finde Käse lecker“ ist das zu betrachtende Objekt aber „Ich“ in Kombination mit „Käse“. Es gibt also nur ein zu betrachtendes Objekt in zudem nur einer bestimmten Kombination, die man durchaus objektiv betrachten kann. Aber wie gesagt, solche Aussagen kann man in den allermeisten Fällen als Ausdruck einer Meinung ignorieren.

Wo „Meinung“ drauf steht…
Alles was da nicht drunter fällt, sind nun Behauptungen. Das gilt übrigens auch, wenn man dazu „ich finde“ oder „meiner Meinung nach“ sagt. Diese Zusätze alleine machen eine Aussage nämlich NICHT zu einer Meinung, ganz gleich wie oft man das sagt. „Ich finde dich dumm“ ist beispielsweise eine Behauptung. Denn Dummheit ist keine subjektive Einschätzung, sondern eine objektiv ermittelbare Größe. Zwar streiten sich die Geister darüber, ob nun ein niedriger IQ, mangelndes Allgemeinwissen, oder asoziales Verhalten dumm seien, aber in allen diesen Fällen gilt: man kann überprüfen ob die besagte Person etwas davon an den Tag legt.
Aber besonders in diesen Fällen und selbst bei rassistischen, sexistischen oder anderen Zusammenhängen wird sich auf die Meinungsfreiheit berufen. Aber: die Meinungsfreiheit schützt eben nur Meinungen und nicht etwa Behauptungen. Und eine Behauptungsfreiheit gibt es nicht.

Wie bereits gesagt, die weltliche Unterteilung ist maßgeblich für die Religionsfreiheit entscheidend. Das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass diese strenge Einteilung sie NICHT beinhaltet. Religionen berufen sich auf viele dogmatische Grundsätze, wie etwa das Christentum auf die 10 Gebote und bestimmte Rechts- und Moralvorstellungen. Diese fallen alle unter die Meinungsfreiheit, weil Moral ein willkürliches menschliches Produkt ist und sich somit eines objektiven Beweises entzieht. Daneben aber haben Religionen ganz bestimmte Vorstellungen von der Welt, dem Universum und dessen Aufbau. Insbesondere zählen dazu je nach Religion verschiedene Gottesvorstellungen. Mit den entsprechenden Mitteln aber könnte man beweisen, ob Gott existiert und falls ja, welche/r Gott/Göttin. Ebenso kann man den Aufbau der Welt und den Ablauf der bisherigen Geschichte momentan wenigstens in Teilen rekonstruieren und damit bestimmte Vorstellung beweisen und andere widerlegen. Und weil es sich hierbei nicht mehr um Meinungen handelt, würden Religionen streng genommen ihre Freiheiten verlieren – sie müssten ihre Gültigkeit beweisen. Dass sie das nicht tun und auch nicht müssen, liegt in der weltlichen Definition begründet.

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