Verlangen, was ich nicht kann

Eigentlich ja eine Frechheit, auch nur für einen Moment auf die Idee zu kommen, von seinen Schülern/innen etwas zu verlangen, das man selbst garnicht leisten kann. Eine Einschätzung welche, aber eigentlich dem System geschuldet ist, das wir haben und nicht zu dem System passt, das wir wollen.

Die Zukunft ist, so will es der Zeitgeist, eine Schule für Schüler/innen, eine Schule, in der Schüler/innen lernen nicht nur Stoff zu behalten, sondern vollständige Menschen zu werden. Die Schule verliert mehr und mehr bewusst ihre Rolle als reine Instanz zur Wissensvermittlung aus den Augen, um sich stärker darauf zu konzentrieren, die Schüler/innen in allen Bereichen der Persönlichkeit zu bilden. Insbesondere bezogen auf die Lehrmethoden bedeutet dies neue Ansätze. Wobei „neu“ durchaus in einem weiteren Sinne verstanden werden darf, denn dabei handelt es sich um Ansätze, die schon über ein halbes Jahrhundert alt sind, die sich aber wie so vieles nicht durchsetzen, weil halt… Das ist ein anderes Thema.

Fakt ist, um aus Schüler/innen sozialverträgliche Menschen zu machen, Menschen die sich selbst Wissen aneignen können, ohne es in kleinen Happen vorgekaut zu bekomme, muss eine relativ innovative Form des Unterrichts her, Unterricht der Kreativität fordert und fördert, der Schülern/innen Eigeninitiative abverlangt und sie nötigt, ihren Lernprozess selbst zu organisieren und sinnvoll zu leiten.

 

Was gibt’s Neues?
Die Kinder stehen fortan im Mittelpunkt. Nicht nur, dass sich alles andere um sie dreht, insbesondere sie selbst sind genötigt, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu richten, statt auf die Lehrpersonen. Als Lehrer/in wird es viel mehr eine Aufgabe sein, an zu leiten und zu unterstützen, anstatt den gesamten Stoff vorzukauen und frontal auf die Kinder zu werfen. Und mit dieser neuen Zentrierung ergibt sich natürlich auch eine massive Differenz zwischen mir und den Kindern: Ich wurde nicht so modern unterrichtet, was insbesondere bedeutet, dass ich mir nicht in der Form jene Fertigkeiten angeeignet habe, welche ich von den Schülern/innen später fordern muss.

 

Nachdem ich ein Seminar über schülerzentrierte Unterrichtsformen besuchte, welches fachdidaktisch klug natürlich ebenso jene Unterrichtsmethoden nutzt, welche dort als vorteilhaft angepriesen werden, erhielt ich auch einen Einblicken in meinen Umgang mit diesen. Zudem stand ich vor der etwas seltsamen Aufgabe, ein Projekt zu erarbeiten und zwar ein Projekt darüber, wie man Projekte richtig erarbeitet. Es ist schon komisch, sich selbst dabei zu beobachten, wie man lernt was man tun muss, während man bereits tut, was man lernen muss.

 

Meine Schwäche
Gerade so freie Formen zeigen mir meine eigenen Defizite auf und ich darf mir durchaus die Frage stellen, inwieweit ich selbst fähig bin, eben jene Defizite zu beheben. So sehe ich bei den Projekten, dass ich wohl kaum jemand von der Sorte wäre, welcher tatsächlich konstruktiv Themen vorschlagen könnte. Ich bin zwar durchaus kreativ, aber das nicht unbedingt auf eine allzu konstruktive Art und Weise. Und wenn ich überlege, was mir so für mögliche Projekte zu einem bestimmten Thema einfallen, dann sehe ich schwarz… Will ich später einmal selbst Projektarbeiten mit meinen Schülern/innen anfertigen, mag man aus Zeiten des lehrerzentrierten Unterrichte dies für total absurd halten, schließlich werde ich dereinst der Lehrer sein und hätte aber nahezu keine Ideen für umsetzbare Projekte. Dennoch muss ich genau das von meinen Schülern verlangen – so will es der schülerzentrierte Unterricht.

 

Insbesondere bei Projekten bin ich später in erster Linie dazu da, es zu initialisieren und an zu leiten. Weder ist es meine Aufgabe das Thema zu wählen, noch den Lernenden vor zu geben, wie sie es bearbeiten sollen. Die Ironie ist, ich muss gar nicht selbst fähig sein ein solches Projekt als Schüler ausführen zu können und kann es trotzdem von meinen Schülern/innen  verlangen.

 

Warum?
Die Lehrer/innen der Zukunft sind weniger Wissensvermittler/innen, als viel mehr Mitgestalter/innen von Lernumgebungen. Und darin besteht schließlich auch die Fähigkeit, die es zu beherrschen gilt: Die Gestaltung von Lernumgebungen.

Es bedarf gar nicht des Umstandes, als Beispiel voran zu gehen, denn damit würde man sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Dorthin sollen aber die Schüler/innen und damit schließlich kommt auch jene Differenz, dass man als Lehrer/in andere Fähigkeiten mitbringen muss, als man den Schüler/innen vermitteln soll.

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