„kein Gott“-esbeweise

Angeblich ist Atheismus ja auch nur eine Form des Glaubens, nämlich des Glaubens daran, dass Gott nicht existiere. Und dass Gott nicht existiere, sei genauso unbeweisbar, wie etwa, dass Gott existiere. Um dem Abhilfe zu schaffen folgen nun einige Beweise dafür, dass Gott nicht existiert.

Falschheit des Widerspruches
Vorneweg eine kleine formale Sache. Widersprüche können nicht wahr sein. Dabei handelt es sich nicht bloß um eine menschliche Erfindung, oder irgendeine willkürliche Regel der formalen Logik, sondern um eine unbezweifelbare Tatsache, denn:
Zwei Aussagen sind widersprüchlich, wenn sie nicht zusammen wahr sein können. Das heißt, aus der Wahrheit der einen Aussage, folgt die Falschheit der anderen Aussage. Es gehört direkt zu der einen Aussage, dass die andere falsch ist und dies ist nicht etwa ein zusätzlicher Faktor. Wenn sie wahr ist, so MUSS die andere falsch sein. Ist die andere nicht falsch, ist die erste Aussage nämlich nicht wahr.
Widersprüche sind immer und unumgänglich falsch. Es gibt keine wahren Widersprüche. Was es gibt, sind falsche Begriffe – das heißt dass wir Begriffe verwenden, welche nicht die reale Begebenheit widerspiegeln. Die wahren Begebenheiten sind dann womöglich nicht widersprüchlich, obwohl uns unsere Begriffe dies suggeriert haben. Dabei gilt aber: Die Begriffe SIND widersprüchlich und können NICHT gleichzeitig wahr sein. ABER mindestens einer der Begriffe ist IMMER falsch und muss durch einen neuen ersetzt werden.
Das heißt, kein Widerspruch ist wahr, sondern einer der Begriffe, die zum Widerspruch führen ist IMMER falsch.
Beispiel Welle-Teilchen Dualismus: Jedes Elementarteilchen ist zu einem gegebenen Zeitpunkt entweder Welle oder Teilchen und nicht beides. Würde man etwas finden, dass beides gleichzeitig wäre, so würde das bedeuten, dass entweder der Begriff „Teilchen“ oder „Welle“ grundsätzlich falsche Vorstellungen sind und die Begriffe neu definiert werden müssen. Die Ausgangsbegriffe bleiben Widersprüche und es werden nachträglich NEUE erfunden, die keinen Widerspruch erzeugen. Der Widerspruch wird nicht wahr, sondern die Begriffe werden so modifiziert, dass sie nicht widersprüchlich sind.

Ontologischer Nichtgottesbeweis
Ein ontologischer Beweis geht alleine vom Begriff, von der Definition aus und zeigt, dass daraus irgendetwas wichtiges folgt. Für die Gottesvorstellung etwa wurde „das worüber nichts größeres gedacht werden kann“ verwendet um dann zu zeigen, dass man mit einem solchen Begriff notwendig Gott denken muss.
Angenommen Gott sei das, worüber nichts Größeres gedacht werden kann, dann bedeutet das ja, dass es nichts geben darf, das neben Gott existiert, denn sonst wäre Gott und das, größer als Gott. Das heißt aber, dass Gott notwendig mindestens alles ist, was existiert. Nun kann es laut Definition nichts neben „alles was existiert“ geben, denn das würde ja bedeuten, dass es etwas gibt, das nicht existiert.
Wenn Gott die Menge von allem ist, was existiert dann muss jede Eigenschaft von Gott auch die Eigenschaft mindestens einer Teilmenge von Gott sein*. Alle Eigenschaften aber, die Gott haben soll, sind ausschließlich Gott vorbehalten und nichts außer Gott darf sie haben. Wenn nichts außer Gott diese Eigenschaften haben kann, dann muss Gott notwendig etwas sein, dass von allem was existiert verschieden ist. Und wenn Gott nicht Teil der Menge von „alles was existiert“ ist, dann gehört Gott zu den Dingen, die nicht existieren. Weil das aber einen Widerspruch darstellt, kann das nur bedeuten, dass Gott keine der zugesprochenen göttlichen Eigenschaften besitzt.
Ohne göttliche Eigenschaften verdient Gott aber nicht die Bezeichnung „Gott“.
* „Alles was existiert“ ist erst mal nur eine Menge an Objekten. Eine Menge besitzt aber keine eigenständigen Eigenschaften (außer un-/endlich zu sein).

Daher eine zweite Variante:
Angenommen Gott sie das größte und höchste und überhaupt. Dann gibt es wie gesagt nichts, das sich von Gott unterscheiden darf, weil „Gott und das, was sich von ihm unterscheidet“ größer wäre, als Gott. Wenn aber alles was existiert ein Teil von Gott ist, dann ist insbesondere auch jedes Verbrechen, jede Übeltat, jede Grausamkeit und überhaupt alles schlechte ein Teil von Gott. Die Ungerechtigkeit ist damit genauso göttlich, wie die Gerechtigkeit. Das Böse gehört damit zu Gott, so wie alles andere auch zu Gott gehört.

Daraus folgt nun aber, dass Gott keineswegs allgütig oder allgerecht ist, denn auch die Ungüte und Ungerechtigkeit gehört zu Gott. Da Gott aber genau dese Eigenschaften haben soll, kann dieser Gott nicht existieren.
teleologischer Nichtgottesbeweis
Die Fluchtinsel der Gläubigen ist ja immer „Gott ist metaphysisch und damit keiner Untersuchung zugänglich.“ Das stimmt so aber nicht.
Gott besitzt nämlich bestimmte Eigenschaften, die sehr wohl auf die physische Welt Einfluss haben. Weitere Gottesbeweise sind teleologisch, das heißt abgeleitet von der „Lehre der Zielgerichtetheit“ her. Gott erschuf die Welt in einer ganz bestimmten Art und Weise. Gott sei zudem allmächtig und allgütig. Offensichtlich aber gibt es in der Welt etwas, das keine Güte ist.
Es ist die Problematik der klassischen Theodizee – wieso lässt ein perfektes Wesen Leid geschehen? Die Antwort ist: Tut es nicht.
Wenn Gott allmächtig ist, dann hätte er eine Welt erschaffen können, in der es kein Leid gibt, welche aber genau den selben Zweck erfüllt, wie unsere Welt. Jeder Versuch die Theodizee zu lösen führt darauf hinaus, dass Gott von vornherein durch etwas außer sich selbst beschränkt ist. Ganz gleich wie man es dreht und wendet, wegen der Allmacht hätte Gott jede denkbare Begründung für Leid auch in einer Welt ohne Leid einbauen können. Ganz gleich ob freier Wille, Lerneffekt oder Bestrafung – Gott hätte die Welt so erschaffen können, dass das alles ohne Leid eintritt.
Dass dem nicht so ist IST ein Beweis dafür, dass diese Welt von keinem allmächtigen und allgütigen Gott geschaffen wurde. Da Allmacht und Allgüte aber Eigenschaften von Gott sind und ein allgütiges und allmächtiges Wesen nicht zulassen würde, dass irgendwie eine Welt mit Leid entsteht, kann Gott nicht existieren.

Gültigkeit des Beweises
Dieser Fakt wurde bei den üblichen Gottesbeweisen häufig ignoriert: Sind die gemachten Beweise überhaupt gültig?
Die Antwort für diese war und ist natürlich nein, sie waren nicht gültig. Und zwar deswegen nicht, weil sie völlig dilettantisch ausgeführt wurden. Bewiesen wurde lediglich „irgendetwas mit einer Eigenschaft die man Gott zurechnet“ nicht bewiesen wurde aber, dass die eigentliche Gottesvorstellung in der Realität existiert.
Das ist so, als würde man sagen „reife Kirschen sind rote Früchte“ dann zeigt man auf eine reife rote Frucht und sagt „Damit sind Kirschen bewiesen“ obwohl man aber eigentlich auf Erdbeeren zeigt. Kirschen haben aber auch einen Stein und wachsen an Bäumen, diese Eigenschaften wurden jedoch nicht untersucht. Sondern aus EINER Gemeinsamkeit wurde auf IDENTITÄT geschlossen. Naja und häufig wurden auch einfach Prämissen verwendet denen gemäß Gott bereits existiert.
Anders meine Beweise: Sie zeigen dass ein Gott mit den gewollten Eigenschaften nicht existiert. Damit sind bestimmte Gottesvorstellungen hinreichend widerlegt.

Gläubige glauben nicht an Gott
Auch hierbei handelt es sich um einen rein ontologischen Beweis.
Um den Satz „Ich glaube an Gott“ sinnvoll aussprechen zu können, muss man irgendeine Vorstellung davon haben, was genau Gott ist. Genau diese gibt es aber notwendigerweise garnicht, denn Gott ist dem Grunde nach ein metaphysisches Wesen, das nicht in menschliche Begriffe gefasst werden kann. Weil aber das Wort „Gott“ ein menschliches Wort ist und somit nur auf einen menschlichen Begriff referieren kann, dieser Begriff aber laut Definition nicht das bezeichnet, was er bezeichnen soll (weil das auch gar nicht möglich ist) ist der Satz „Ich glaube an Gott“ sinnlos.
Denn das Wort „Gott“ bezeichnet nichts und weil sich dieser „Gott“ der menschlichen Vorstellung vollständig entzieht heißt „Ich glaube an Gott“ ja eigentlich „Ich glaube an pfft“ denn das Wort Gott hat eben keine konkrete Bedeutung.
Zwar gibt es 3 konkurrierende Bedeutungen von „Der Gott“: Einmal ein Wesen, das Menschen verstehen können und das verständlich und berechenbar handelt (das versprochene Himmelreich bringt, die Guten belohnt, die Bösen bestraft, usw…) und dann die Bedeutung als „etwas das nicht in menschliche Begriffe gefasst werden kann“. Daneben gibt es auch noch die Alltagsbedeutung von „Gott“ als „irgendein irgendwie mächtiges metaphysisches Wesen irgendeines Charakters“.
Gläubige verwenden die beiden ersten Verständnisse, wobei das zweite ja eigentlich ein Nichtverständnis ist. Weil das Gottvertrauen sich aber auf die erste Bedeutung bezieht, die Gottesundefinition aber die zweite ist, heißt das natürlich, dass Gläubige eigentlich garkeine Vorstellung von Gott haben. Der Satz „Ich glaube an Gott“ ist inhaltlich somit leer, weil in dem Wort „Gott“ kein Inhalt steckt. Der Satz ist inhaltlich sinnlos, es ist genau genommen kein richtiger Satz. Ein richtiger Satz kann wahr oder falsch sein, dies ist aber nur möglich, wenn die Existenzpräsupposition der verwendeten Begriffe sichergestellt ist – das heißt es muss sichergestellt sein, dass den verwendeten Objektwörtern auch Objekte zugrunde liegen. Das klassische Beispiel dazu lautet „Der König von Frankreich hat eine Glatze.“ – der Satz ist weder wahr noch falsch, weil es garkeinen König von Frankreich gibt und somit keine sinnvolle Aussage über Eigenschaften von diesem gemacht werden können (denn „Existenz“ ändert den Inhalt eines Begriffes nicht).
Und das gilt nicht nur, wenn es das betroffene Dingwort kein reales Ding bezeichnet, sondern insbesondere auch dann, wenn das Dingwort garnichts bezeichnet oder gar laut Definition eine Nichtbezeichnung ist.

Damit ist bewiesen, dass das was „DER Gott“ bezeichnen soll, nicht existiert.
Es können sehr wohl Wesen existieren, die jenseits der uns bekannten Physik existieren, die wir demzufolge momentan* nicht beweisen oder widerlegen können – aber diese Wesen sind eben nicht das, was „Der Gott“ sein soll. Sie sind vielleicht das, was in frühen Religionen unter Göttern verstanden wurde, aber „Der Gott“ ist nicht unter ihnen, ein „Der Gott“ existiert nicht, genauso wenig wie im Augenblick ein König von Frankreich existiert.

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Eine Antwort zu „kein Gott“-esbeweise

  1. der blinde Hund schreibt:

    Hallo, interessanter Beitrag!

    Ein kleines Caveat zum ersten Abschnitt: Ich bin mir nicht sicher, ob es nicht doch (begrenzte) Fälle gibt, in denen es wahre Widersprüche gibt. Einige davon werden hier aufgelistet: http://plato.stanford.edu/entries/dialetheism/#3 Neben den klassischen Paradoxien sind vor allem die Beispiel in Abschnitt „3.3 Other Motivations for Dialetheism“ interessant. Allerdings ist es wohl so, dass „‚kein Gott‘-esbeweise“ durch solche möglichen Ausnahmefälle nicht berührt werden.

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