Nur eine Frage

Ein Text von mir aus dem fernen Jahre 2005

Sag, wie war ES?

Wie war das Gefühl? War es schön, hat es dir gefallen?

Du hast es immerhin geschafft. Du hast dein Glück gefunden. ES ist doch dein Glück oder? Nicht dass ES ein Fehler war… Ich kann dich nicht fragen wie ES war, obwohl wir vor nicht allzu langer Zeit noch beste Freunde waren, weiß ich, dass du mir nicht antworten würdest. Dabei wüsste ich so gerne wie ES war. Obwohl du ES doch nur für einen Augenblick fühlen konntest. Das Gefühl, dass dein Leben diese unglaubliche Wendung genommen hat, dass es kein Zurück mehr gibt, dass ES geschehen ist. ES war nur ein kurzer Augenblick, doch auch für dich? Vielleicht fühlte ES sich für dich viel länger an als nur einen Augenblick. Du würdest es mir ja doch nicht sagen.

Vielleicht sollte ich die Asse in meiner Klasse fragen, die könnten mir sicher sagen wie lange ES gedauert hat, die wissen doch immer alles. Hach, aber ich könnte sie nicht fragen, ich habe Angst davor, dass sie mich auslachen. Vielleicht machen sie mich auch dumm, weil ich solche Fragen stelle. Dabei will ich doch nur mehr über dieses Gefühl erfahren. Hattest du es eigentlich? Wenn ein Ruck durch den Körper geht, dieses alles bedeutende Signal, dass da etwas im Unterleib geschieht?

Nein, ich kann nicht fragen. Und ich könnte es auch nicht machen, im Gegensatz zu dir. Ich hänge zu sehr an IHNEN, an ALLEN. Dir war das egal, dir war eigentlich sogar ER egal, und auch SIE, alles. Aber du hast es aus Überzeugung getan, nicht wahr? Du hattest keine Angst vor dem danach… Du hattest doch keine Angst oder? Du warst nüchtern nicht war? Ich könnte mich bei deinen Bekannten umhören, vielleicht wissen sie ob du getrunken hattest. Aber ich hoffe du hast nicht getrunken, ich hoffe du hast es aus Überzeugung getan und mit Mut zur Tat.

Doch selbst wenn es so wäre, bin ich nicht zufrieden, ich will alles wissen. Ich will wissen wie dieses Gefühl ist, auch ohne die Folgen.

Ich will wissen

Wie es war

Als dieses alles

Bedeutende Signal

In diesem einen Augenblick

Durch deinen Körper ruckte

Als dich der Zug erfasste

Und deine Beine brachen,

Ehe es dein Leben aushauchte…

Anmerkung: Der Text entstand damals als Reaktion auf den Selbstmord eines ehemaligen Bekannten der, wie man sich vielleicht denken kann, sich vor einen Zug gestürzt hat. Wie ich kürzlich erfuhr wegen intensiven Mobbings.

Der Text selbst war lange Zeit verschollen, weil ich vergessen hatte mir eine Sicherheitskopie zu machen. Erfreulicherweise galt das nicht für meine Schwester. Ich kam nur nie auf die Idee, sie zu fragen <.<

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