„Auch“ sexy Frauen

Der Gendermainstream geht ja inzwischen (angeblich) allen auf den Keks. So vielen, dass es inzwischen nicht nur cool ist dagegen zu sein, sondern auch, ihn längst „überwunden“ zu haben. Ottonormal-intelektuelle würden jetzt sagen „um etwas zu überwinden, muss man sich erstmal damit beschäftigt haben“ aber in unserer schnelllebigen Zeit kann man Dinge auch überwinden, ohne nen Deut davon zu verstehen.

Ein Beispiel dafür ist das öffentliche Bild von Frauen. Früher wurden Frauen als familiäre Dienstleistenden betrachtet – von Geburt an. Das Kind ist ein Mädchen? Nun dann steht hübsch aussehen und Kinder gebären auf dem Lebensplanen – vorher natürlich vom passenden (also meistens irgendeinem) Mann gefunden werden und fertig. Ein einfaches Leben und von der Vielfalt von Lehmziegeln.
Das ist kein Bild des Mittelalters. Dass Frauen nur haushaltsführende Gebärmaschinen seien, die lecker Essen für den Mann kochen, der das Geld und damit die eigentlich wichtige Ressource nach Hause bringt, ist nicht nur nicht alt, sondern selbst heutzutage, selbst in der westlichen Gesellschaft nicht gänzlich ausgerottet. Inzwischen ist die Haushaltsfrau aber zum Luxus verkommen, weil Wirtschaft und so. Das lohnt grad die Ausführung nicht.

Der Haushalt den Frauen
Fakt ist: Auch heute sind Frauen noch häufig jene, welche sich um den Haushalt und die Kinder kümmern und dafür halt auch gerne mal halbtags arbeiten gehen – obgleich sie auch bei einer Vollzeitbeschäftigung häufig noch mehr im Haushalt tun.

Ist das schlimm? Selten dämliche Frage. Denn Schlimmheit ist kein absoluter Wert. Eine Tätigkeit ist nicht schlimm, weil sie von sich aus „schlimm“ ist, sondern weil sie von der Gesellschaft als solche angesehen wird. Toiletten sauber machen ist nur dann schlimm, wenn wir sagen, es sei schlimm. Toiletten zu reinigen ist keine an sich gute oder schlechte Tätigkeit. Und ökonomisch, sowie ökologisch gesehen halte ich weit mehr von der Toilettenreinigung, als von der Spekulation mit Lebensmittelpreisen… aber auch das sei vorerst dahingestellt.

Problem
Es geht also um Frauen, könnte man meinen. Aber auch das ist falsch, denn was haben Frauen mit dem Haushalt zu tun? Sie erledigen ihn häufig und vielleicht sogar oftmals freiwillig. Aber nur weil Professoren auch irgendwie freiwillig an der Uni unterrichten, hat das doch nichts zu sagen.

Nein, die Frage ist nicht, wer was wie freiwillig tut, sondern der Kontext. WARUM tun Menschen das, WIESO tun sie es freiwillig, wie viel Freiheit hatten sie denn überhaupt?

Natürlich kann man mutmaßen, dass Frauen, da sie häufig den Haushalt übernehmen, dies von sich aus gerne tun. Aber das ist eine völlig willkürliche Mutmaßung. Genauso gut kann es sein, dass sie sich eben in dieses gesellschaftlich vorgelebte Bild ergeben.

Klingt komisch? Analogfrage: Wieso arbeiten denn viele Menschen in einem 40h Job? Nicht, weil sie sich irgendwann mit 18 Jahren überlegt haben „Hey, ich fände es voll cool, ne 40h Woche zu haben.“ sondern, weil so der gesellschaftliche Kontext ist. Die 40h Woche ist das von der Gesellschaft in diversen Prozessen als Normalität festgelegte. Andernorts arbeiten die Menschen weit mehr für wesentlich weniger. Würden wir indes aufhören die Produkte zu produzieren, die am Ende auf dem Müll landen, hätten wir locker einen Verlust von 20% Arbeitszeit, ohne einen finanziellen Schaden zu erleiden (weil die Produkte ja eh auf dem Müll landen).

Arbeitszeiten sind gesetzlich vorgegeben? Na gut, dann nehmen wir doch: Frisur, Statur, wie wir uns den Hintern abwischen (Funfact: Amerikaner knüllen ihr Papier eher, während in Deutschland das Papier ordentlich gefaltet wird) – und nun die einfache Frage: Was davon war eine rationale Willensentscheidung?
Antwort: Keines. Wir sind damit aufgewachsen und haben es unreflektiert übernommen.

Wir wurden zu dem, was wir sind
Es liegt nie eine völlig rationale Überlegung zugrunde. Wir ordnen uns dem gesellschaftlichen Kontext unter, weil wir in ihn hinein wachsen. Nicht weil wir weichlich oder unselbstständig sind, sondern einfach weil man irgendeine Orientierung braucht und das jene ist, die uns vorgelebt wird.

Nicht anders verläuft es bei Frauen und der Familienführung. Es ist Normalität und damit ein Modell, das anscheinend problemlos funktioniert.

Nur anscheinend, denn ein Problem gibt es: Das Konzept benachteiligt Frauen. Dafür setzt sich Feminismus ein, dieses Bild aufzubrechen, denn nur wenn das Bild aufbricht, besteht eine realistische Chance, dass überhaupt eine Wahlfreiheit gekannt wird, die man dann wahrnehmen könnte.

Kontra > Relevanz
Und worum geht es nun hier im Artikel? Um die Gegenbewegung.
Erschreckend klar ist, dass jede Frauenrechtsbewegung auch sofort auf Gegenwind stößt. Da kann man Kommentare auf diversen Internetportalen lesen. Frauen werden in Beziehungen häufig geschlagen? Da findet sich garantiert jemand(meistens Männer), der betont, dass auch Männer in Beziehungen Opfer von Gewalt werden. Diese Maskulisten werden sich aber NICHT darum bemühen, eine Initiative für die Anerkennung von männlichen Gewaltopfern zu gründen, nein sie werden dies nur gegen die Frauenbewegung vorbringen. Gewalt wird nicht direkt gutgeheißen – aber auch nicht bekämpft. Es geht nicht um Dialog oder gesellschaftliche Weiterentwicklung, sondern darum mit einem wahren Fakt (der aber nicht konsequent zuende gedacht wird) Kontra zu geben – vgl. Probleme über Probleme

Beides fließt nun zusammen in der Betrachtung der Werbung oder allgemein wenn es um die öffentliche Darstellung von Frauen geht.
Frauen und Mädchen werden in Werbung faktisch völlig anders dargestellt als Jungen und Männer. Feministinnen setzen sich unter anderem auch dafür ein, dass solche Stereotype nicht in der Werbung reproduziert werden, dass die Darstellungen von Frauen und Männern gleichWERTig sein sollen.

Ottonormalidiot versteht unter Feminismus Männerhass und glaubt, nur fette hässliche Weiber seien Femnistinnen und sie würden fordern, dass ab sofort nur noch fette hässliche maskuline Schabracken in der Werbung auftauchen dürften und Männer am besten garnicht oder nur verweiblicht.

Was kommt da nicht näher als zu sagen „Also bei uns dürfen Frauen sein, wie sie wollen -AUCH Mütter, AUCH Hausfrauen, AUCH sexy“ – daher kommt die Werbung im „liberalen“, im freien Stil. Aber das ist nicht bloß falsch, das ist eine dreiste Lüge. Denn gesagt wird AUCH aber gemacht wird NUR.

Frauen dürfen auch sexy sein? Na da kann man die eigene Unterwäsche darauf verwetten, dass NUR sexy Frauen gezeigt werden. Frauen dürfen auch Hausfrau und Mutter sein? Na dann ist es völlig verständlich, dass auf Plakaten NUR Hausfrauen und Mütter gezeigt werden.

Fakt statt Fiktion
Das „auch“ ist ein Euphemismus, eine Beschönigung. Denn damit wird eine Freiheit suggeriert, ein „Wir akzeptieren alles“ aber das sind nur hohle Worte. Die Akzeptanz wird behauptet, aber nicht gelebt, nicht gezeigt.

Zu behaupten, Frauen dürften AUCH sexy sein, ist hirnverbrannter Bockmist. Kein Mensch bei Verstand (ja, ich spreche Menschen Verstand ab) würde Frauen das sexy sein verbieten. Fakt ist aber: häufig wird Frauen das unsexy sein abgesprochen. Und wer redet darüber, dass Frauen AUCH unsexy sein dürfen? Feministinnen und Frauenrechtsbewegungen. Und was ist dann? Nun, da kommen dann die hirnlosen Halbverwesten und lesen in dem AUCH ein NUR. Was lustig ist, denn sie selbst sagen dann AUCH und leben ein NUR.

So ist das mit dem Licht: Ma brennt’s und ma brennt’s nicht.
Und häufig sind Menschen unglaublich gut darin, bei anderen die Fehler zu entdecken, die sie selbst machen. Erschreckend schlecht sind Menschen darin, zu erkennen, dass sie selbst überhaupt Fehler machen KÖNNEN. Dass sie in ihrem Leben einmal Fehler gemacht HATTEN, die sie bisher noch nicht erkannt HABEN.

Menschen sind unglaublich lernfähig, aber auch zu unglaublicher Lernresistenz fähig. Es ist schon fast beschämend, einer Art anzugehören, die ihr größtes Potential, die Fähigkeit des lebenslangen Lernens, zum Teil nach nicht einmal 20 Lebensjahren verspielt und aus einem „lernen“ ein „Begründungen alles so zu machen wie bisher“ generiert…

PS:
Dazu zählt natürlich insbesondere auch, dass jene vermeintlichen „Wir finden Feminismus scheiße“ sich bestenfalls an ihrem Stammtisch darüber unterhalten haben. Anders ist nicht zu erklären, dass sie am Feminismus Dinge kritisieren, die nicht einmal Teil der feministischen Theorien sind.

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Eine Antwort zu „Auch“ sexy Frauen

  1. muschimiezzze schreibt:

    Danke, für diesen Beitrag!
    „Frauen werden in Beziehungen häufig geschlagen? Da findet sich garantiert jemand(meistens Männer), der betont, dass auch Männer in Beziehungen Opfer von Gewalt werden. Diese Maskulisten werden sich aber NICHT darum bemühen, eine Initiative für die Anerkennung von männlichen Gewaltopfern zu gründen, nein sie werden dies nur gegen die Frauenbewegung vorbringen.“ << da musste ich stark nicken, sowas begegnet mir ständig.

    Viele Grüße!

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