Logiklücken in Mirai Nikki (Manga)

Vor ein paar Monaten habe ich 2 Tage lang diesen Manga gesuchtet (Semesterferien ftw). Obgleich ich die Geschichte interessant und durchaus gut fand, sind mir letztlich diverse logische Fehler aufgefallen, die ich ohne besonderes Ziel einmal auflisten will. Da die Lücken teils notwendig sind, damit die Geschichte überhaupt in der Form möglich war, befinden sich hier massive Spoiler.

Deus stirbt
Gleich zu Beginn, als Aufhänger der Geschichte, lernen wir Deus kennen. Ein Gott, der einen Nachfolger sucht. Warum? Deus ist am sterben und Deus Existenz ist notwendig für die Existenz der Welt. Warum Deus seine Lebensspanne begrenzt ist, lernen wir jedoch nicht. Ebensowenig, wieso jedes beliebige Wesen Deus ersetzen kann. Deus ist nicht DER Gott, sondern EIN Gott. War er der erste seiner Art? Der letzte? Ist er ebenfalls ein Ersatz für eine vorherige Version?

Und ganz wichtig: Was genau macht Deus Nachfolger zu einem Gott? Das würde doch bedeuten, dass Deus nur Macht ausübt, die von einer anderen Quelle kommt. Und wenn Deus geht, übt jemand neues diese Macht aus. Das wird so nie gesagt, wäre aber die einzige logische Erklärung. Denn irgendwie muss es möglich sein, dass ein stinknormaler Mensch einen Gott ersetzen kann. Ein Gott mit einer Handvoll recht spezieller Fähigkeiten. Aber welche andere Macht könnte das sein, wenn ohne Gott das Universum und damit zwangsläufig sie selbst verschwindet? Und was genau macht Deus überhaupt so wichtiges, außer da zu sein?

Murmur > Deus
Deus hat einen Gehilfen. Einen, dessen konkrete Aufgabe oder Bedeutung ebenfalls nie geklärt wird. Murmur ist aber für die Geschichte weitgehend irrelevant, außer als Störenfried quasi ersetzbar. Dennoch absurd. Murmur verfügt anscheinend über besondere Kräfte, welche durch die Armbänder unterdrückt werden. Aber welche Kräfte? Woher kommen die? Wer hat ihm die Armbänder angelegt? Und wieso ist Murmur’s Lebensspanne länger als die von Deus? Deus ist ein Gott, Murmur ein Diener. Aber während Deus stirbt, wird Murmur weiterleben.

Zudem verfügt Murmur1 über die Fähigkeit, Yuki2 die Ereignisse aus Welt1 zu zeigen. Murmur verfügt also über Fähigkeiten, die über jene von Deus hinaus gehen, selbst mit den Armbändern. Schließlich ist es auch Murmur, der den Zeitsprung einleitet und Yuno1 das Tagebuch von Yuno2 gibt, ohne dass Probleme auftauchen. Als Murmur1 den zweiten Zeitsprung einleitet, scheint er dafür verantwortlich, wie weit der Zeitsprung geht – obwohl doch eigentlich Yuno1 den Zeitsprung kontrollieren müsste.

Jedoch mit Yuki2 als Gott, ist Murmur wiederum untätig. Gleichwohl konnte Murmur einfach so die Erinnerung von Yuno1 aufbewahren und sie später mit Yuno3 verschmelzen.

Das Spiel ist unfair
Viel ist dazu nicht zu sagen. Das Spiel entwickelt sich um die Zukunfsttagebücher. Alle Spieler haben eines und jedes hat verschiedene Fähigkeiten. Und wie mit den meisten Superkräften ist es auch hier so, dass sie verschieden nützlich sind. Manche geben den Nutzern massive Vorteile, andere recht überschaubare. Ihr Nutzen ist von vornherein unfair und damit ist das Spiel unfair. Mit dem Detective-Diary geht es sogar soweit, dass ein Tagebuch existiert, das innerhalb des Regelwerkes überhaupt nicht besiegt werden kann.

Nur wegen eines massiven, unvorhersehbaren (und ebenfalls widersprüchlichen) Regelbruches, wird es überhaupt besiegt.

Das Spiel ist sinnlos
Deus stirbt also und sucht einen Ersatz. Geschenkt. Aber WIE sucht Deus? Die Auswahl der Kandidaten ist scheinbar willkürlich. Neben Menschen guter Gesinnung, sind auch mordlüsterne Psychopathen dabei. Hat Deus keine Ansprüche an den Charakter seiner Nachfolge? Und noch schlimmer ist der Auswahlmechanismus: Ein Überlebensspiel. Deus verwaltet Zeit und Raum, er muss nicht um sein Überleben kämpfen oder Informationen zu seinem Vorteil nutzen. Wieso also soll seine Nachfolge durch ein Spiel geregelt werden, das von den Kandidaten Fertigkeiten verlangt, die nichts mit seinem Job zu tun haben?

7th
Ein bedeutender Regelbruch ist das Pärchen, das die Besitzer 7th darstellt. Sie spielen zusammen, ihr Tagebuch besteht also aus 2 Tagebüchern und sie sind 2 Owner. Das ist nicht nur eine ziemlich komische Ausnahme, es wirft auch eine Frage auf: Wenn die beiden zusammen spielen, dann heißt das doch auch, dass sie zusammen gewinnen könnten. Wenn es möglich ist, dass 2 Owner gewinnen, dann hätten Yuki1 und Yuno1 doch ebenfalls als Paar gewinnen können. Wenn 7th aus 2 Personen besteht, dann gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, wieso nicht Yuki und Yuno ebenfalls zusammen gewinnen könnten. Deus hat die Regeln aufgestellt und könnte sie demzufolge auch beliebig ändern. Für ihn sollte es keinen Unterschied machen, ob 1 oder 2 Personen gewinnen. Selbst wenn 7th nicht aus 2 Personen bestünde, sollte es für Deus kein Problem darstellen, 2 gewinnen zu lassen. Ein einfaches Happyend.

9th
Von allen Charakteren ist 9th der Unnatürlichste. Nicht etwa, dass 9th problemlos eine Schule und ein Krankenhaus mit diversen ferngesteuerten Sprengkörpern sowie Minen präparieren kann, ohne dass es jemand merkt. Das ist ok, 9th ist halt irgendwie eine total abgedrehte Terroristin. Aber wir lernen nie 9th Intentionen kennen, ihre Ziele, warum sie Bombem legt. Und dadurch wird 9th zum Joker (nein, nicht der aus Batman) für die gesamte Geschichte – ein Charakter ohne eigene Intention. Immer wenn jemand Hilfe brauchte, wurde 9th gefragt, obwohl sie als völlig abgedrehte Psychopathin vorgestellt wurde, die bereit ist unschuldige Menschen in großer Zahl für ihre Ziele (worin auch immer die bestehen) zu töten. Dennoch genießt sie das Vertrauen von ausnahmslos jedem. Ähnlich Akise ist sie ein Charakter, der dazu dient die Geschichte maßgeblich voran zu bringen. Nur dass 9th nie einen plausiblen Grund dafür vorweisen kann. Sie handelt so entgegen ihres erwarteten Charakters, dass sie ständig als Hilfe einspringt, ohne einen wesentlichen Vorteil davon zu haben. Sie wird für das eigentliche Spiel zu einem supportive-Charakter für alle, denn sie scheint nie wieder zu planen, das Überlebensspiel zu gewinnen. Für eine psychopathische Terroristen nicht nur sehr ungewöhnlich, sondern viel zu normal und menschlich. Lustig ist dann insbesondere als sie später ohne erkennbaren Grund eine Wette über eine Beziehung eingeht und sich augenscheinlich in den erstbesten Typen verliebt, der sie wegen ihres Aussehens mag und dann auch fliegende Kinder mit ihm hat. Aber das widerspricht völlig dem Charakter, mit dem sie vorgestellt wird.

Yuki ist ein Bystander
Dass die Geschichte sich weitgehend um einen Hauptcharakter herum entwickelt und dieser selbst eher eine Nebenrolle spielt, kommt in mehreren Manga vor. Mir fällt dazu spontan Madoka Magika und Suzumiya Haruhi ein. Sowohl Madoka, als auch Kyon sind die eigentlichen Hauptcharaktere, aber die Entwicklung der Geschichte geschieht um sie herum. Anders als Yuki sind sie aber permanent in die Geschichte integriert, sie sind darin aktiv. Yuki hingegen ist fast durchweg passiv. Die Geschichte wird fast komplett von Yuno bestimmt. Am Ende ist Yuki mal kurz der Baddass, der selbst aktiv etwas gestaltet. Aber im Grunde wäre er ohne Yuno nie irgendetwas geworden. Er war bis zum Ende hin weitgehend ein armer Wicht. Kyon und Madoka hingegen entwickelten sich auch ohne die anderen. Yuki hingegen ist fast durchgehend passiv. Das ist vielleicht weniger selbst eine Lücke, aber zu mindestens nervig. Und Anlass für die meisten anderen Lücken.

Asuke
Asuke, als er auftauchte war er ein spannender Nebencharakter, der mit seinem scharfen Verstand die Geschichte voran brachte. Insbesondere da Yuki als Bystander weitgehend unfähig war selbst die Geschichte voran zu bringen, sind es die Nebencharaktere, die sie entwickeln. Asuke war also ähnlich wie in DeathNote eine notwendige Ergänzung, um das komplexe gegenseitige vorhersagen und überlisten zu gewährleisten, auf denen das Spiel basiert. Insofern kein Problem. Problematisch allerdings, wie seine Rolle in der Geschichte begründet wurde. Am Ende stellte sich heraus, er war ein von Deus künstlich geschaffenes Wesen, um die Owner zu beobachten. Denn die ändern ja ständig den Zeitfluss und das kann Deus nicht überblicken weil… weil halt. Ein Grund wurde nicht geliefert, genauso wenig wieso Deus ansinnte Asuke zur vernichten, bevor das Spiel abgeschlossen war. Ein netter emotionaler Seitenhieb, weil der arme künstliche Asuke erklären sollte, dass er etwas tat, das nicht seiner Aufgabe entsprach oder eben aufgelöst würde. Dass er sich ein Tagebuch von 9th geholt hatte war sicherlich ein halbwegs einleuchtender Punkt. Aber dass er sich überhaupt mit irgendjemandem verbündet hat, widersprach bereits seiner Aufgabe, weil ein Beobachter hilft halt nicht. Abgesehen davon, dass es keinen Einfluss auf die Geschichte hatte, dass er quasi 3sek lang hätte sterben können, passt es nicht zur Geschichte. Deus hatte das Spiel recht kurzfristig geplant. Akise müsste also plötzlich aufgetaucht sein, ohne eigene Vergangenheit. Abgesehen davon, dass Deus damit eine sehr ungewöhnliche Fertigkeit bekommt (wieso kann er sich eigentlich keinen Nachfolger erschaffen?), würde doch spätesten Akise selbst bemerken, dass er nicht zur Welt passt. Oder hatte Deus ihm neben der künstlichen und aus irgendeinem Grund unbewussten Existenz auch künstliche Eltern gegeben? Wie lange existierte Akise schon? Wieso musste Akise überhaupt Nachforschungen anstellen, wieso konnte Deus als Gott das nicht selbst tun oder Murmur fragen?

Yuno hat 2 Tagebücher
Das war reichlich absurd. Das Tagebuch ist an das Leben der Owner gebunden. Beide können nicht getrennt existieren. Soweit, so gut. Und Yuno reist durch die Zeit und nimmt ein zweites mal am Spiel teil, weswegen Yuno1 quasi 2 Tagebücher hat. Irgendwie. Denn nur eines der Tagebücher ist an ihr Leben gebunden. Das andere ist… an nichts gebunden. Es ist nicht an Yuno2 gebunden, sonst dürfte es nicht funktionieren, da Yuno2 tot ist. Es ist nicht an Yuno1 gebunden, sonst würde Yuno1 sterben, sobald es zerstört wird. Es ist einfach da, ohne Bindung. Und ironischerweise ist es aber nötig, denn nur durch seine Existenz, ist es möglich das Detective-Diary zu besiegen – das unfairste aller Tagebücher. Ohne diese massive Logiklücke in den Spielregeln, wäre es für Tagebuchinhaber unmöglich gewesen, Akise zu besiegen.

Yuno1 ist tot
Nach dem traurigen Ende, in dem Yuki nochmal sein Bystander-Dasein für 10.000 Jahre auslebt, wird noch ein HappyEnde nachgeschoben. Nicht nur, dass die 10.000 Jahre absurd wirken. In Welt3 lebt Deus noch 2 Jahre – also wo vergingen die 10.000 Jahre? Wurde Yuno3 Die Nachfolgerin von Deus3 und hat dann 9.998 Jahre gelebt, bevor sie zu Yuki2 ging? Keine Ahnung.

Bedeutsamer ist eher, dass Yuno1 tot ist. Aber Yuki2 liebte Yuno1, jedoch am Ende bekommt er Yuno3, deren Erinnerung mit Yuno1 verschmolzen worden waren. Yuki bekommt nicht seine geliebte Yuno1, sondern eine Kopie. Yuno3, die aus ihrem Universum entrissen wurde, um seine eigentliche Partnerin zu ersetzen. Ein weiteres Leben, das für Yuki… naja ausgelöscht wurde. Yuno3 hätte sicherlich auch ohne Yuki ihr Glück gefunden, nachdem in Welt3 sich alles zum positiven gewendet hat (wobei nicht klar ist, was aus Deus3 wurde – seine Lebenszeit dürfte sich ja nicht verändert haben).

Yuno1 ist Gott!
Zeitreisen sind stets schwierig zu verarbeiten. In dem Manga wurde es jedoch auf die Weise gehandhabt, die ohne Widersprüche auskommt: Anstatt in die tatsächliche Vergangenheit zu reisen, erzeugt der Zeitsprung schlicht eine neue Welt. Mit dem Zeitsprung verlässt Yuno1 also Welt1 und gelangt in Welt2. Welt1 existiert so, als würde Yuno1 einfach verschwinden. Naja und Welt1 geht unter, weil der Zeitgott fehlt. Und wer ist dieser Gott? Yuno1, denn Yuno1 hat das Spiel gewonnen und Deus1 ersetzt. Und damit erhielt sie die Macht, den Zeitsprung zu machen. Da Deus Existenz notwendig für die Existenz der Welt ist, kann diese Macht nicht an die Welt selbst gebunden sein, sondern steht darüber. Deswegen könnte Deus ohne Welt, aber die Welt nicht ohne Deus existieren.

Yuno1 ist also nicht nur die Göttin von Welt1, sondern prinzipiell eine Göttin. Aber nach dem Zeitsprung hat Yuno1 keinerlei Kräfte. Sie müsste eine Göttin sein, so wie sie auch nach dem zweiten Zeitsprung in Welt3 noch über Kräfte verfügt (wobei nicht ganz klar ist, über welche Kräfte genau sie verfügt). Und damit hätte sie problemlos nicht nur das Spiel2 gewinnen müsse. Sie hätte einfach nur dafür sorgen müssen, dass Yuki2 der Nachfolger von Deus2 wird. Dann wären beide Götter gewesen – klingt nach dem möglichen HappyEnd Nummer 2.

Stattdessen steigt sie wieder in das Spiel ein. Dabei wird sie von Murmur1 unterstützt. Warum auch immer Murmur Interesse daran hat sie zu unterstützen, wenn sie nicht mehr eine Göttin wäre…

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