Gibt es einen unfreien Markt?

Wir leben in einer freien, sozialen Marktwirtschaft und während dafür plädieren, dass ein möglichst freier Markt möglichst gut wäre, sprechen sich andere für staatliche Eingriffe in den Markt aus. Jene die sich am besten für einen absolut freien Markt aussprechen (ohne Arbeitsschutz, Patentrecht, Bundeskartellamt, usw…) führen gerne alles schlechte auf der Welt auf den Markt zurück. Steuerhinterziehung? Mafia? Warlords? Gäbe es alles nicht, wenn der Markt nur gänzlich frei wäre. Solcherlei Überlegungen halte ich für völligen Unsinn, aber sie haben mich auf die Frage gebracht, was denn ein total freier Markt wäre.

Sofern mein Antwort richtig ist, ist sie überraschend: der total freie Markt sieht nämlich exakt so aus, wie er im Moment ist. Kontraintuitiv? Natürlich.

Die Feststellung folgt aber einer einfachen Überlegung: Wer beschränkt nämlich den Markt? Das sind Staaten und Abkommen und sonstiges. Sie beschränken zwar den Markt und die Handlungsmöglichkeiten der auf dem Markt agierenden Akteure, aber sie erschaffen den Markt nicht. Der Markt als solches ist nicht geschaffenes, sondern lediglich ein Name für ein Phänomen. Es bezeichnet einfach gesagt die Menge an Angeboten und Nachfragen und deren Interaktionen. Anbietx und Nachfragx sind als Träger von Angeboten und Nachfragen maßgeblich für die Interaktion mitverantwortlich, aber sie könnten auf die Nachfrage nach diversen Bedürfnisbefriedigungen reduziert werden – spielt aber auch keine große Rolle. Wichtig ist an dieser Stelle: Der „Markt“ ist schlich da, er wird nicht irgendwie erzeugt oder künstlich geschaffen.

Der Markt im Grundzustand ist absolut frei, sofern man physikalische Beschränkungen ignoriert. Frei ist er, weil es natürlich neben den natürlichen Beschränkungen nur künstliche gibt. Künstliche müssen von irgendjemandem erzeugt werden. Also ist der Markt im Grundzustand so frei wie nur irgend möglich.

Und der Witz ist nun: der Markt kann den Grundzustand garnicht verlassen.
Wie bereits gesagt, der Markt ist die Summe aller Angebote und Nachfragen und deren Interaktionen. Alle Menschen und alle von Menschen geschaffene Strukturen sind Teil dieses absolut freien Marktes. Alles was wir tun sind Aktionen innerhalb des absolut freien Marktes und das heißt insbesondere, jede vermeintliche Einschränkung des Marktes ist nicht nur ein Produkt des absolut freien Marktes, es verändert diesen auch nicht selbst, sondern erzeugt nur einen Teilmarkt, in dem die Interaktionen zwischen enthaltenen Angeboten und Nachfragen anders strukturiert sind.

Abgesehen von einer Binsenweisheit bedeutet das allem voran folgendes: Jede Einschränkung des Marktes ist ein Produkt des Marktes selbst. Arbeitsschutz als Beispiel ist also nicht als bloße Einschränkung des Marktes von der Politik aus zu verstehen, sondern die Politikx selbst agieren als Teilnehmx auf dem Markt und bieten innerhalb der natürlichen Beschränkungen des absolut freien Marktes das Produkt „Arbeitsschutz“ an – und darauf wiederum reagieren Angebot und Nachfrage bezüglich dieser und anderer Güter.
In einem prägnanten Satz: „Jeder unfreie Markt ist selbst nur ein Teilbereich des freien Marktes und nicht etwa dessen Gegenteil.“

Schlussbemerkung
Ich weiß nicht, ob das in irgendeiner Form tatsächlich hilfreich oder offenbarend ist. Auch nicht, ob man das in irgendwelchen Kontexten außer hardcore Liberalisten anbringen kann. Aber jetzt steht es erstmal da und sofern mir niemand widerspricht, habe ich Grund zu der Annahme, dass es richtig sei.

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