Wer ruiniert Griechenland?

Alexis Tsipras wagt ein gewagtes Experiment. Wahrhaftig waghalsig und mit dem Potential Griechenland mit vollem Karacho gegen die Wand zu fahren. Schon doof…?

Ein kurzer Gedankengang zur Frage von Aufmerksamkeit, Verantwortung und politischer Willensbildung. Und vielen Suggestivfragen.

Wie der gute Tsipras aussieht, weiß inzwischen wohl so ziemlich jedx, das irgendwelche visuellen Nachrichten konsumiert. Und was Tsipras so anstellt, junge junge junge. Seit nunmehr 5 Monaten versucht er irgendwie die Interessen der Bevölkerung mit Forderungen von diversen Gläubigern, den Ansprüchen der EU und Troika bezüglich weiteren Kreditvergaben und Zusicherungen, der eigenen Partei und dem eigenen politischen Kurs und vielleicht sogar etwas Fachwissen unter einen Hut zu bringen. Sowas ähnliches hat auch die Vorgängerregierung getan und ihr Erfolg spricht für sich, denn offensichtlich sind sie nur die Vorgänger.

Und bei allen Erfolgen, insbesondere den ausbleibenden, startet jetzt ein Referendum. Da soll das Volk über fundamentale Politik entscheiden. Es ist nicht bloß eine Frage eines politischen Kurses, es ist die Frage, ob überhaupt noch ein Kurs gefahren werden soll. Wie gesagt, gewagt.

Eine Frage über Fragen
Aber ist das denn schon eine sinnvolle Frage? Alle Medien, die nicht gerade die Griechen verteufeln, weil sie UNSER Geld ausgeben, konstatieren den Reformen ziemlich schlechte Ergebnisse. Und wer mal die Schlagzeilen der letzten Zeit überfliegt (mehr tu ich ja auch nicht), fühlt sich an „Warten auf Godot“ erinnert.

Der politische Wille Griechenland aus der Schuldenkrise zu retten gleicht mehr einer kafkaesken Komödie, als alles andere. Wie sieht denn der Masterplan aus? Irgendwie Geld eintreiben? Cool.

Man möchte meinen bei der Frage zur Zukunftsgestaltung der EU wäre etwas mehr Kreativität angebracht. Denn die Frage ist doch, wie soll innerhalb der EU mit Schulden umgegangen werden?

Wenn 2 Menschen heiraten, dann müssen sie lernen zusammen zu wirtschaften. Wenn Staaten sich zusammenschließen, ihre höchsteigene Entscheidungsgewalt auf ein gemeinsames, externes Gremium auslagern, dann doch bitte nur, solange man davon auch selbst profitiert. Ein politisches Schauspiel wie im Vorabendprogramm mit Intrigen, Verrat und bestimmt gibt’s irgendwo auch noch ein kleines Schäferstündchen.

Und jede Woche kann man aufs neue einschalten, sieht im Grunde dasselbe wie zuvor, aber fühlt sich doch unterhalten, weil irgendwie ist es anders und vielleicht geht am Ende doch die Bombe hoch!

Die Bombe heißt Grexit.
Aber wer hat die eigentlich gelegt?
Die EU, die Griechenland viel zu schnell aufgenommen hat?
Die pöse Troika, die nicht weiß wie man ein Land wirtschaftlich sinnvoll reformiert?
Der Tsipras, der es wagt das unausgereifte Programm der Troika infrage zu stellen?
Die Griechen, die total von dem korrupten Land profitiert haben und jetzt die Rechnung zahlen?
Jene, bei denen man glaubt, die wollen noch dafür bezahlt werden, Steuern zu entrichten?
Oder waren es vielleicht jene, die überhaupt erst diesen aufgeblähten Staat hochgezogen haben?

Wie heißen die eigentlich, was machen die so? Wo sind deren Bilder in den Zeitungen, die klagenden Worte, dass jene Mist gebaut haben, dass jene zumindestens moralisch zur Rechenschaft zu ziehen seien?

Sicherlich könnte ich fix googeln wie die heißen und was die so machen.
Aber es ist nicht mein persönliches Interesse an den Leuten, sondern das der Gesellschaft, das mich bekümmert. Irgendjemand hat Griechenland in einen so desolaten zustand gebracht – das Kind in den Brunnen geworfen.

Und nun schauen wir auf den Ziehvater, der unter polizeilicher Aufsicht das Kind wieder herausholen soll. Aber irgendwie sind seine Arme zu kurz und die Polizei hat auch nicht so den Plan und das ganze Dorf hat schon so viel mitgeholfen und irgendwie ist eh alles doof.

Aber auch wenn es erschreckenderweise nicht strafbar ist, dieses Kind in den Brunnen zu werfen, sollten wir denjenigen nicht trotzdem auf die Finger hauen? Ein Signal senden, dass politische Entscheidungen für die Zukunft sein sollen – und irgendwie geahndert werden, wenn sie es nicht sind.

Die Leiden der frischen Politik
Es wird stets beklagt, dass Politik immer nur von Wahl zu Wahl stattfindet. Dass keine Zukunft gestaltet wird, die mehr als 4-5 Jahre entfernt ist. Aber Politik und Menschen stehen in einer Wechselwirkung: Beide beeinflussen sich gegenseitig.

Und die Botschaft an die Politik ist erschreckend simpel: „Ihr tragt keine Verantwortung.“

Wenn Frauen oder Feministinnen im Netz ihre Meinung kund tun, dann müssen sie teils mit Beschimpfungen, Gewaltphantasien und Schlimmerem rechnen, mit Onlinemobbing, gar ausgewachsenen Hetzkampagnen.

Was haben Politikx zu fürchten? Nichts.
Das ist gut, weil kein wütender Mob die Politik bestimmen sollte.
Das ist aber auch schlecht, denn wenn man Entscheidungen fällt, die für einen selbst keine langfristigen Konsequenzen haben, dann hört man auf langfristig zu denken.

Mir müssen als Volk natürlich nicht den wirren maskulistischen Mob des Internets in die Realpolitik tragen – aber wenn wir langfristige Politik wollen, dann sollten wir anfangen, Politikx langfristige Konsequenzen ans Herz zu legen… irgendwie…

Ich weiß zwar nicht wie, aber irgendwas, das einem spätere Lobbyarbeit und hoch dotierte Vorstandsposten madig macht. Denn wer nichts zu verlieren hat, kann alles riskieren.

Vielleicht indem wir überlegen, wer Griechenland eigentlich in das von Korruption zerfressene Land verwandelt hat, das es heute zu retten gilt. Und uns nicht nur fragen, wie man das zukünftig verhindern könnte, sondern auch, wie man Politikx dazu bringt, das zu tun.

Demonstrationen? Böse Leserbriefe? Aufstände der Anständigen? Aufmärsche von Verschwörungsspinnx? Ein bedrückendes politisches Schauspiel von neuen Parteien, die sich nach einem ersten Hoch selbst zerlegen und/oder einfach in der Versenkung verschwinden?

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