Logiklücken Interstellar

Anscheinend schaue ich zu oft Cinemasins auf youtube und komm daher nicht umhin, mein rudimentäres Physikwissen und Grundkenntnisse der Logik auf Filme zu schmeißen, die ich anschaue. Hier also ein paar Lücken in Interstellar (enthält Spoiler).

Vorneweg: Ich persönlich habe den Film in weiten Teilen genossen. Die visuelle Aufmachung, die musikalische Untermalung – beides hat sich wunderbar zusammengefügt und ganz ohne großes Bummbumm oder Explosionen unterhalten und mitgerissen.
Das Gerede davon, dass Liebe quantifizierbar sei, ist etwas abgedreht, aber im Grunde auch nur ein dummer Kommentar und irrelevant für die Handlung.
Die Problemlösung
Interstellar malt uns eine sterbende Welt, die halt einfach stirbt. Was genau das Problem der Welt ist, wird nicht erklärt. Irgendwas mit Staubwolken und Husten und Kindersterblichkeit und irgendwie wird Mais oder so knapp. Und der Regen bleibt ständig aus.
Das Szenario könnte also in Richtung Umweltverschmutzung gehen, mit Bienensterben und Klimawandel und damit einem massiven Qualitätsverlust der Erde als Lebensraum.
Dass das Problem nie explizit angesprochen wird, liegt wohl daran, dass sonst zu leicht auffallen würde, dass die Konklusion nicht passt. Denn keines dieser Probleme wird dadurch gelöst, dass man eine Weltformel findet.
Sicherlich ist es für den Umzug auf einen anderen Planeten hilfreich, wenn man eine solche Formel hat. Und die Bestärkung der Bedeutung von Forschung, ist natürlich auch gern gesehen. Aber selbst mit einer solchen Formel gibt es noch physikalische Grenzen, denen man unterworfen ist und demzufolge manche Dinge unmöglich bleiben. Wie etwa ein auf der Erde konstruiertes riesiges Raumschiff ins Weltall zu befördern.
Und selbst wenn das gelingt, löst man damit praktisch keines der anfänglichen Probleme. Wenn man eine Raumstation bauen kann, die saubere Luft für Millionen von Menschen herstellen kann, wieso nicht entsprechende Luftundurchlässige Häuser oder Städte?
Wenn man Probleme mit der Vielfalt an Nahrungsmitteln hat, dann nützt einem eine Raumstation auch nichts, denn auch da gibt es nur die Pflanzen, die man von der Erde mitnehmen kann (schließlich hat man keinen anderen bewohnbaren Planeten gefunden).
Anders wäre es, hätte man einen bewohnbaren Planeten gefunden – dem war aber nicht so.
Zeitreise ohne Variation
Interstellar hat ein Verhältnis von Zeitreisen aufgezeigt, dass an Terminator erinnert: obwohl ein Zeitsprung statt findet, ändert sich der Zeitstrahl nicht. Alles was geschieht ist unveränderlich. In Terminator war es die Zeitreise selbst, welche die Ereignisse in Gang setzt, die zu der Zukunft führten, von der aus die Zeitreise initiiert wurde. Ein Paradoxon, das in vielen Darstellungen von Zeitreien auftaucht.
Analog ist es auch in Interstellar, dass Cooper am Ende im Tesserect genau die Ereignisse initiiert, die er in seiner Vergangenheit erlebt hat. Anstatt also mit der Zeit zu interagieren und sie zu ändern, macht er genau das Gegenteil. Er sendet sich sogar selbst die Botschaft „bleib“, obwohl er wissen sollte, dass er genau diese in der Vergangenheit ignoriert hat.
Erfreulicherweise hat zudem niemand von Interesse das Zimmer seiner Tochter über Jahre hinweg betreten, so dass er die wertvollen Informationen erst dann senden konnte, wenn sie keinen Einfluss auf seine bereits gemachten Entscheidungen mehr haben konnten.
Mehr Terminator, weniger Sinn
Noch bedeutsamer, als dass Coop die Ereignisse in seiner eigenen Vergangenheit initiieren musste, ist aber das Tesserect selbst. Es wird die Idee etabliert, dass dieses Ding von den Menschen der Zukunft gebaut und für Cooper bereit gestellt wurde, um die notwendigen Informationen an seine Tochter zu schicken, die letztlich auch benötigt werden, um das Tesserect zu bauen. Sprich: würde es das Tesserect nicht geben, würde es nicht gebaut werden können.
Soweit waren wir auch bei Terminator. Aber dort wurde wenigstens mit einer materiellen Zeitreise gearbeitet. Interstellar aber stellt klar, dass nur Gravitation sich durch die Zeit bewegen kann. Physikalisch gesehen eine reale Theorie. Dass ist toll, weil so kann Cooper halt nur Gravtitationsanomalien senden. Aber was ist mit dem Tesserect selbst? Es ist offensichtlich aus der Zukunft gekommen und Cooper kann damit interagieren. Wenn die Zukunftsmenschen ein solches Gerät senden können UND überwachen ob Coop die richtigen Infos schickt UND ihn anschließend aus dem schwarzen Loch heraus und durch das Wurmloch zurück ins Sonnensystem schicken können, dann hätten sie die Infos auch gleich selbst schicken können.
Stattdessen wird hier sogar eine noch härtere Paradoxie aufgebaut: Die Menschen der Zukunft, hätten das Tesserect aktiv bauen und alle diese Ereignisse in Gang setzen müssen, um aktiv die Vergangenheit genau so geschehen zu lassen, wie sie geschehen muss (und aus ihrer Sicht auch geschehen ist). Eine Rasse, für die „Zeit wie eine Art Berg ist, den sie besteigen“. Sie müssten das Tesserect bauen und in die Vergangenheit schicken, weil ansonsten ihre eigene Existenz eine faktische Paradoxie ist.
Mit anderen Worten, obwohl Zeitreisen für sie scheinbar völlig normal sind, können sie die Zeit nicht verändern. Sie ist ein in Stein gemeißeltes Ding, eine einzige unveränderliche Zeitlinie, die trotz der Möglichkeit von Zeitreisen nicht verändert werden kann, sondern aktiv erhalten werden muss. Für jemanden der über der Zeit steht, musst das ziemlich deprimierend sein. So als ob man sein eigenes Schicksal sieht und danach alles tun muss, damit es eintritt, obwohl es nicht erstrebenswert ist – schließlich hätten die Zukunftsmenschen die Infos selbst schicken können, lhne das Tesserect entgegen der etablierten Regeln durch die Zeit zu schicken.
Denn durch die Zeit geschickt war es – es befand sich an einem Ort, den Cooper betreten und verlassen konnte. Und in einer Situation, in der Cooper überleben und normal agieren konnte.
Plan B ist ziemlich creepy
Plan A war es, die gesamte Menschheit mit dem tollen Raumschiff auf einen gut bewohnbaren Planten zu schicken, weil die Erde stirbt. Allein mit der Technologie, welche für die Reisen notwendig war, hätte man auch die Erde bewohnbar halten können. Aber egal.
Plan B war, stattdessen mit einer riesigen Samenbank und Frauen Menschen auf einem anderen Planeten anzusiedeln… FrauEN?! Nun mitgeschickt wird nur eine Frau – und zwar ausgerechnet die Tochter des Wissenschaftlers, der das ganze Ding initiiert hat und wusste, dass Plan A keine Option ist. Das heißt nicht nur, er hat seine Tochter geschickt um als einzige potentielle Gebärmaschine ein neues Menschengeschlecht auf einem fremden Planeten zu werfen. Sie hat sich anscheinend auch vollkommen freiwillig dafür gemeldet und niemand hat trotz der Gefahren dieser Operation in Betracht gezogen, dass ihr dabei etwas zustoßen könnte oder allgemein ein paar mehr Frauen auf dieser vollkommen männerdominierten Mission nützlich gewesen wären.
Hey Cooper, rette mal das arme Mädchen
Am Ende des Filmes wird Coop von Merph darauf hingewiesen, dass da anscheinend noch eine arme einzelne Frau durch ein Wurmloch getrennt auf einem fremden Planeten versucht ein neues Menschengeschlecht zu werfen. Das arme einsame Mädchen, das aus irgendeinem Grund nur Cooper retten kann, obwohl es anscheinend bekanntes Wissen ist, dass sie noch da draußen rumschwirrt. Hätte man nicht jemand anderes schicken können?
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