Zeitreiseproblematiken

Zeitreisen… Nicht nur nachdem wir vor fast einem Monat das ikonische Datum 21.10.2015 hatten, an dem Marty McFly aus der Vergangenheit ankam, ist das Thema wieder etwas aktueller.
Mit Interstellar und Terminator Genisys ist das Thema auch im Kino weiterhin aktuell. Dabei sind Zeitreisen harter Tobak, weil es gibt da ja das Großvaterparadoxon oder das Terminatorparadoxon… aber wie paradox sind die beiden eigentlich und was gibt es da noch?

Großvaterparadoxon
Vielleicht das älteste, aber wohl mit Sicherheit das bekannteste Paradoxon. Was passiert, wenn ein Zeitreisender in der Vergangenheit seinen eigenen Großvater tötet, bevor dieser überhaupt Kinder hat? Oder allgemeiner: Was passiert wenn ein Zeitreisender die Vergangenheit so verändert, dass er die Zeitreise in Zukunft garnicht antreten kann?
Wenn der Großvater keine Nachkommen hat, dann wurde der Zeitreisende nie geboren. Aber wenn er nie geboren wurde, kann er nicht den Großvater töten und dann würde die Zeitreise stattfinden…
Obgleich berühmt, hat das Paradoxon gleich 2 Lösungen. Nummer 1 ist die spaßige Viele-Welten-Theorie, das ein bisschen als Deus-Ex-Machina diverse Logikprobleme löst. Wieso gibt es so viele Link in der Zelda-Serie? Was hat es mit den ganzen Pokemonspielen auf sich? Wie kommt es, dass ein Quant zufällig einen Zustand hat und nicht einen anderen?
Naja, da sind halt mehrere Welten, in denen sich verschiedene Versionen abspielen. Für Zeitreisen etwa wird angenommen, dass durch die Reise in die Vergangenheit eine neue Welt geschaffen wird. Abgesehen davon, dass in „Zurück in die Zukunft“ dadurch irgendwie 12 Welten erschaffen wurden, heißt das allem voran: dadurch werden WELTEN ERSCHAFFEN!
Das heißt, die gesamte Materie und alle in unserem Universum vorhandene Information wird KOPIERT! Im Falle von Quanten mit der kleinsten überhaupt möglichen Abweichung. Im Falle von „ZidZ“ ist die Differenz wenigsten ein Delorean und eine Person. Dennoch vergleichsweise winzige Ursachen, um als Folge ein ganzes Universum zu kopieren.
Die zweite Lösung ist mein persönliches Produkt: Kausalität ist an die Gegenwart gebunden. Wenn jemand in die Vergangenheit reist, dann ist das die neue Gegenwart. Und ganz gleich was diese Person dort tut, es hat nur Einfluss auf eben jene Gegenwart. Das Großvaterparadoxon setzt nämlich voraus, dass alles GLEICHZEITIG geschieht. Der Tod des Großvaters muss nicht nur direkt die Kausalkette für die Zukunft umschmeißen, sondern diese Kausalkette muss sich dann auch noch durch die Zeitreise wieder in die Vergangenheit fortsetzen.
Terminatorparadoxon
Schon in Interstellar habe ich dieses Paradoxon thematisiert. Es ist quasi das Gegenteil von Großvaterparadoxon: Anstatt durch die Zeitreise etwas zu tun, das die Zeitreise verhindert, wird durch die Zeitreise selbst erst die Zeitreise initiiert.
Würde nicht jemand aus der Zukunft kommen, würde später niemand diese Zeitreise machen.
Gemäß dieses Paradoxons werden Zeit und Ereignisse als unveränderliche Größen angenommen. Es ist ein hardcore Determinismus, der sich auf einer Metazeit bewegt. Eine Metazeit, ist quasi ein Zeitstrahl FÜR Zeit. Wenn wir einen Film anschauen, dann ist unsere erlebte Zeit die Metazeit für den Film. Wir können jederzeit im Film vor und zurück. Und wichtiger noch: Es ist üblicherweise auch die Zeit, welche die Protagonisten erleben. Diese reisen zwar durch die Zeit der Welt, aber ihre eigene Zeit läuft normal weiter.
Eine unveränderliche Metazeit heißt nun, dass man mit den Zeitreisen die Zeit nicht ändern kann. In Interstellar etwa sehen wir Coop, wie er die Informationen in die Vergangenheit schickt, die seine Reise überhaupt erst ermöglich haben. Er muss das aktiv tun, da er sonst ein Paradoxon produziert. Dank einem glücklichen Skript tut er das natürlich genau so, aber als handelndes Individuum liegt es vollkommen in seinem Rahmen, es NICHT zu tun. Und was dann? Passieren dürfte nichts, denn die Ereignisse sind in der Vergangenheit, sie sind bereits eingetreten.
Überlichtgeschwindigkeit
Eine der älteren Theorien zu Zeitreisen nutzt die Relativitätstheorie von Einstein und die sogenannte Zeitdillatation. Das Fachwort für „die Geschwindigkeit mit der die Eigenzeit eines Objektes vergeht ist relativ zu der erfahrenen Beschleunidung“. Je stärker ein Objekt beschleunigt wird, umso langsamer vergeht seine Zeit im Verhältnis zu unbeschleunigten Objekten. Da auch Gravitation eine Beschleunigung bedeutet, sehen wir dies in Interstellar, indem die Protagonisten wenige Minuten auf einem Planeten verbringen, während außern herum viele Jahre vergehen.
Je näher man der Lichtgeschwindigkeit kommt, desto langsamer vergeht die Zeit. Und wenn man den physikalisch unmöglichen Akt vollbringt und die Lichtgeschwindigkeit überschreitet, dann geht die Zeit rückwärts. Logisch oder? So logisch, dass es sogar Ansätze gibt, in denen mittels Wurmlöchern und Abkürzungen mit Unterlichtgeschwindigkeit das Licht überholt werden kann. Wieso das Überholen von Licht allerdings hilfreich sein soll, weiß ich nicht.
Ist aber auch egal, denn hier kommt das Paradoxon: Wenn man sich mit Überlichtgeschwindigkeit bewegt, geht nicht die Zeit der Außenwelt rückwärts, sondern die eigene. Licht bewegt sich mit knapp 300.000.000 Metern pro Sekunde durchs All. Theoretisch gesehen steht seine Eigenzeit still, Licht altert nicht. Aber es bewegt sich ganz normal – es legt eine Strecke von 300.000km in einer Sekunde zurück. Und wenn es möglicht wäre, es zu beschleunigen, dann würde es vielleicht 300.000km in einer halben Sekunde schaffen. Dennoch würde es ganz regulär von A nach B fliegen. Gemäß Theorie würde es sich für das Photon aber ANFÜHLEN, als ob es von B nach A fliegt. Dummerweise kann das Photon das nicht nutzen, weil es von A losgeschossen wurde. Es startet objektiv in A, weil irgendwo muss es ja starten. Wenn seine Eigenzeit aber von B nach A geht, müsste das Photon Informationen über die Zukunft haben, darüber, das ihm auf dem gefühlten Weg von B nach A passiert. Dinge, die noch nicht passiert sind. Und Dinge, die man nicht aus dem Photon auslesen kann, weil wenn man das tut, kann man es ja nicht schicken. Paradox eben.
Physikalische Randnotiz: die Vakuumlichtgeschwindigkeit c ist eine Konstante, Photonen bewegen sich immer exakt mit dieser Geschwindigkeit. Das gilt für sie und alle anderen „ruhemasselose Teilchen“ – weil man sie nicht in Ruhe bringen kann, haben sie keine Ruhemasse. Alle Teilchen MIT einer Ruhemasse können c übrigens nie erreichen.
2 Gegenwarten
Mein persönlich größtes Problem mit Zeitreisen ist eines, das in der Popkultur kaum thematisiert wird. Eventuell, weil Zeitreisen allem voran eine Spielerei aus der theoretischen Physik sind und für die Physik ist Zeit in der Regel das hier: t
Es ist ein Buchstabe, eine Variable in einem Haufen an Gleichungen. Sie wird benutzt um Werte in der vierten Dimension auszudrücken, wie Differenzen oder Bewegungen.
Das reale Phänomen Zeit ist jedoch nicht nur eine Zahl oder ein Punkt auf einem Strahl. Sie ist für uns nicht vergleichbar mit den 3 Raumdimensionen, aber genau das wird in der Physik getan. Sie werden gleichgesetzt, weil es funktioniert. So sehr, dass sogar die oben angesprochene Zeitdillatation ebenso mit einer Raumdillatation daher kommt. Für ein bewegtes Objekt ist der Raum in Bewegungsrichtung verkürzt – er ist flacher.
Der Unterschied zwischen der realen Zeit und der physikalischen Größe ist folgender: Zeit ist dreigeteilt – in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Die Vergangenheit ist unveränderliche Tatsache, die Zukunft besteht aus ungewissen Möglichkeiten und in der Gegenwart werden aus manchen der Möglichkeiten Tatsachen. Andere nicht.
Durch eine Zeitreise wird aber eine zweite Gegenwart erzeugt. Jene von der sie gestartet ist  (A) und jene, in der die Zeitreisenden ankommen (B). Da sich Zeitreisefilme in der Regel auf die Zeitreisenden konzentrieren, schlägt uns das Problem nicht ins Auge. Aber eigentlich bedeutet es, wenn man jemanden in der Zeit zurück schickt, vernichtet man sich damit selbst. Alle Ereignisse nach B sind wieder variabel, sie sind wieder Zukunft. Alles im Zeitpunkt A wird ausgelöscht, alle Ereignisse zwischen B und A werden wieder variabel, wieder Zukunft. Keines davon ist mehr sicher. Informationen und Zeitverlauf müssen verschwinden, außer natürlich man nimmt an sie werden in einer der vielen Welten erhalten. Die Zeitreise wäre dann witzlos, weil man nicht in die Vergangenheit der Welt reist, sondern in eine Kopie der Welt von einem früheren Zeitpunkt.
In beiden Fällen hat man nichts von der Zeitreise: entweder die eigene Existenz verschwindet oder die Zeitreise endet in einem anderen Universum.
Außer natürlich, man spielt gerade „Day of the Tentacle“ ein gutes altes Point-and-click Spiel, in dem man mit 3 Charakteren in 3 verschiedenen Zeiten landet und versuchen muss durch Veränderungen in einer früheren Gegenwart, die Situation in einer späteren so zu beeinflussen, dass ein Charakter weiter kommt.
Witzig, aber es folgt der Vorstellung, dass die mehren Gegenwarten irgendwie „parallel“ laufen. Dass in beiden gleichzeitig Zeitspannen vergehen, obwohl natürlich aus Sicht der Zukunft alle vergangenen Ereignisse längst geschehen sind.
Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kommentare abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Zeitreiseproblematiken

  1. Chloroxid schreibt:

    Ich denke, die Theorie mit der Überlichtgeschwindigkeit ist falsch. Meiner Meinung nach kann man hier zwischen „zwei Arten von Zeit“ unterscheiden: Einmal der Zeit in dem Sinn, dass die Entropie zunimmt, und einmal eine objektive, unabhängige Zeit (die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft definiert). Die zweite Zeit kann man sich vereinfacht vorstellen als feste, sich nie bewegende Uhr.
    Ich meine, die oben angesprochene „Entropiezeit“ ist es, die sich verlangsamt, wenn man sich der Lichtgeschwindigkeit nähert. Demnach würde man selbst bei Überlichtgeschwindigkeit nicht in die „Vergangenheit“ reisen, sondern die Entropie würde sich umkehren (abnehmen).
    So würde für einen Astronauten, der mit Lichtgeschwindigkeit in einem Raumschiff um die Erde fliegt die Entropie stillstehen, doch die „objektive“ Zeit würde für ihn genauso schnell vergehen wie für alle anderen, unabhängig von ihrer Geschwindigkeit.
    So hätte der Astronaut auch nicht alle Handlungen die er im Raumschiff gemacht hat, rückwärts zu wiederholen, aber er würde nicht altern/bzw. wieder jünger werden (rein hypothethisch, aber auch möglich dass die Realität bei Entropieabnahme völlig anders aussieht).
    Daher wären Zeitreisen auch bei erreichbarer Überlichtgeschwindigkeit nicht möglich.

    Zitat: „Wieso das Überholen von Licht allerdings hilfreich sein soll, weiß ich nicht.“
    Verjüngung/Ewiges Leben?
    Oder das Erreichen von extrem weit entfernten Orten innerhalb von wenigen (wahrgenommenen) Sekunden, ohne dass der Reisende altert?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s